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Ostern in Polen – Wielkanoc

Die Natur ist endlich aufgewacht. Die Krokusse und die Osterglocken strecken ihre Blüten zur Sonne. Es ist bunt, überall!
In den Geschäften füllen liegen Osterhasen, Ostereiern und Osterschmuck. Die Kinder freuen sich schon auf die Osterfeier, die Eiersuche und die Geschenke.
Diese immer wieder kehrenden Rituale vermitteln ein Stück Halt und Orientierung. Darauf kann man sich freuen, das ist sicher. Rituale bieten Halt und Struktur, aber auch Glanz und Glorie.
Die heutige Welt ist schnell, laut und unberechenbar. Wir müssen uns immer neu auf Neues einstellen. Rituale bieten ein Stückchen Sicherheit. Das sind kleine und große Höhepunkte, auf die sich alle freuen.
Die polnische Tradition hat viele Rituale zu bieten. Auch am Ostern.
Ostern – Wielkanoc (wiälkanoz – die große Nacht), das ist die Kirche, die Familie, viel Essen auf dem Tisch und Unmengen von Wasser.
Polen ist immer sehr katholisch gewesen. Heute vielleicht noch mehr als es vor 50 Jahren war. Die christlichen Traditionen sind hier sehr lebendig. Der Osterhase ist auch in Polen – seit der Öffnung nach Westen – bekannt, hat aber keine Chance, sich zu etablieren. Für die Menschen ist die Passion, die Auferstehung Christi, die alten Bräuche, die Familie wichtig.
Palmen
Die Karwoche fängt mit Palmsonntag an. In der Kirche werden Palmzweige, aber auch die Weidenkätzchen geweiht. Die Polen fasten in dieser Zeit. Es wird kein Fleisch gegessen. Die Strenggläubigen leben nur vom Brot und Wasser. Trotzt der allgemeinen Trauer finden in den Städten verschiedene Veranstaltungen statt. Dort werden regionale Produkte angeboten. Es wird Osterschmuck vorgeführt und verkauft.
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Der Karfreitag ist in Polen kein gesetzlicher Feiertag. Es wird gearbeitet, trotzdem nehmen sich die Menschen die Zeit, in die Kirche zu gehen um zu beten. Drinnen ist es dunkel und still. Keine Glocken läuten. Die gläubigen Polen verbringen Stunden im Gebet am symbolischen Grab Christi. In vielen Häusern sind die Spiegel und die Christusbilder mit schwarzen Tüchern verhängt.
Am Ostersamstag werden die letzten Festvorbereitungen in den Familien getroffen. Es wird nach alten Sitten und Rezepten gekocht und gebacken. Das Essen von Omas ist immer noch am Besten.
SwieconkaDann müssen die Osterkörbe gerichtet werden. An dem Tag finden in jeder Kirche stündlich kleine Andachten mit der Segnung der mitgebrachten Speisen statt. In den Körben liegen Eier, Wurst, Salz, Pfeffer, Meerrettich, Brot und Kuchen, drapiert auf weißem Leinen und mit Weidenkätzchen und Buchsspann geschmückt. Auf den Straßen sieht man überall die Kinder und die Alten, die mit den Körben unterwegs sind. Die Eltern beenden in dieser Zeit die Hausarbeit. Die Zeit vor Ostern das ist auch eine gute Gelegenheit, Frühjahrsputz zu erledigen. Es wird geschrubbt und gebohnert! Die Wohnungen sehen wie geleckt aus!
Am Ostersonntag oder schon in der Osternacht sind die Kirchen überfüllt. Die Messe beginnt in völliger Dunkelheit. Das ist symbolisch zu verstehen, dass wir in einer düsteren Welt ohne Glauben leben. Dann bricht das Osterfeuer die Dunkelheit. Immer mehr Lichter werden an der Osterkerze entzündet, die durch die Kirche getragen wird. Die Menschen singen Osterlieder. Orgelklang, Glockenläuten und Böllerkrachen verkünden die Freude der Auferstehung.
Tisch
Die Fastenzeit ist endlich vorbei. „Alleluja“! Alle eilen nach Hause zum großen Osterfrühstück. Frühstück ist eigentlich eine bescheidene Bezeichnung, für das was nun folgt. Zuerst teilt man mitgebrachte, gesegnete Speisen mit allen Familienmitgliedern. Jeder bekommt ein Stückchen davon ab. Dabei werden Glück- und Segenswünsche für alle Anwesenden ausgesprochen.
zurekDanach wird die klassische Sauermehlsuppe – żurek wielkanocny – (Schuräk) serviert. Sie wird mit Schinkenwürfeln und gekochten Eiern gegessen und am Tisch mit Meerrettich nachgewürzt. Es folgen eine Fülle kalter Speisen: selbstgebratene Fleischpasteten, Fleisch in Aspik, verschiedene Wurstsorten, Salate und natürlich pisanki (pissanki) – in Zwiebelschalen gefärbte Eier.
SüßesDas späte Frühstück zieht sich bis in die Nachmittagszeit hinein. Man geht von deftigen Speisen zu Süßen über: gebackene oder aus Zucker gefertigte Lämmer, die klassische babka wielkanocna – Osternapfkuchen, Käse- und Mohnkuchen. Und zum Schluss mazurekmazurek (masuräck) ein Mürbeteigboden mit Karamellüberzug. Die Dekorationen darauf sind der ganze Stolz jeder Hausfrau.
Am Ostermontag ist es vorbei mit den Feierlichkeiten. Das ist der Tag des Wassers, – Śmingus Dyngus. Beim Spaziergang sollte man wachsam oder gut zu Fuß sein. Regenfeste Kleidung wäre auch vom Vorteil. Jeder der vorbei kommt, wird erbarmungslos mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln, und sogar ganzen Eimern voll Wasser traktiert.
Dieser Brauch stammt aus dem Jahre 966, als der polnische König Mieszko I. am Ostermontag getauft wurde und Polen damit zum Christentum bekehrte.
Verbringen Sie dieses Fest der Freude in Polen in einer traditionellen und familiären Atmosphäre. Vielleicht bei Herrn Zdzisław Kosikowski in Woiwodschaft Westpommern. In seinem Hotel und Restaurant im Zentrum von Stargard feiert er diesen Brauch ausgiebig. Seine Enkeln, der 11 jährige Kacper und der 6 jährige Hubert helfen kräftig mit.

Sie können dort nicht nur polnische Bräuche hautnah erleben sondern auch die polnische Küche genießen.

Sie werden es nie vergessen!