Alle Beiträge von Aleksandra Schulze

Pfingsten in Polen

PfingstenZielone Świątki   (siälonä chwiontki)
Pfingsten – einer der wichtigsten katholischen Feiertage, wird heute in Polen nicht mal in der Kirche besonders groß gefeiert und Pfingstmontag ist ein ganz normaler Arbeitstag.
Ganz anders sah es noch vor dem Krieg aus. Der polnische Name Zielone Świątki – Das grüne Fest – hat seinen Ursprung in dem slawisch-vorchristlichen Frühlingsfest.
Die Menschen wollten damals die Winterdämonen vertreiben. Sie freuten sich auf den Sommer, schmückten die Häuser mit Blumen, grünen Zweigen und kleinen Birkenbäumchen, die die Fruchtbarkeit und Kraft der Natur symbolisieren sollten. Überall wurden große Feuer angezündet. Durch die bestellten Felder gingen ganze Prozessionen mit Fahnen und kirchlichem Gesang.
Als Schutz vor den Hexen beräucherte man die Nutztiere mit verbrannten Kräutern.
Maibaum
Es wurden Maibäumchen aufgestellt, die mit Blumenkränzen und langen Bändern geschmückt wurden. Man tanzte um sie herum und sang fröhliche Lieder.
Vor allem die Hirten feierten diese Tage sehr ausgiebig. Sie tanzten, sangen schmausten und zechten! Pfingsten, das war ein richtiges Hirtenfest! Die Hauptspeise an diesen Tagen war: Rührei mit viel Wurst drin und am Feuer gebackene Kartoffeln. Dazu floss natürlich reichlich Wodka.
In den Städten feierte man Maifeste in der Natur. Die Menschen packten ihre Körbe und fuhren ins Grüne. Picknick wurde nicht erst im 20. Jahrhundert erfunden. Außerhalb der Städte wurden regelrechte Volksfeste veranstaltet mit Jahrmarkt und Fahrgeschäften.
Es ist schade, dass diese schöne Tradition nicht weiter gepflegt wird.       Und Pfingstrosen heißen auf Polnisch Piwonie (piwonjä)

 

Ostern in Polen – Wielkanoc

Die Natur ist endlich aufgewacht. Die Krokusse und die Osterglocken strecken ihre Blüten zur Sonne. Es ist bunt, überall!
In den Geschäften füllen liegen Osterhasen, Ostereiern und Osterschmuck. Die Kinder freuen sich schon auf die Osterfeier, die Eiersuche und die Geschenke.
Diese immer wieder kehrenden Rituale vermitteln ein Stück Halt und Orientierung. Darauf kann man sich freuen, das ist sicher. Rituale bieten Halt und Struktur, aber auch Glanz und Glorie.
Die heutige Welt ist schnell, laut und unberechenbar. Wir müssen uns immer neu auf Neues einstellen. Rituale bieten ein Stückchen Sicherheit. Das sind kleine und große Höhepunkte, auf die sich alle freuen.
Die polnische Tradition hat viele Rituale zu bieten. Auch am Ostern.
Ostern – Wielkanoc (wiälkanoz – die große Nacht), das ist die Kirche, die Familie, viel Essen auf dem Tisch und Unmengen von Wasser.
Polen ist immer sehr katholisch gewesen. Heute vielleicht noch mehr als es vor 50 Jahren war. Die christlichen Traditionen sind hier sehr lebendig. Der Osterhase ist auch in Polen – seit der Öffnung nach Westen – bekannt, hat aber keine Chance, sich zu etablieren. Für die Menschen ist die Passion, die Auferstehung Christi, die alten Bräuche, die Familie wichtig.
Palmen
Die Karwoche fängt mit Palmsonntag an. In der Kirche werden Palmzweige, aber auch die Weidenkätzchen geweiht. Die Polen fasten in dieser Zeit. Es wird kein Fleisch gegessen. Die Strenggläubigen leben nur vom Brot und Wasser. Trotzt der allgemeinen Trauer finden in den Städten verschiedene Veranstaltungen statt. Dort werden regionale Produkte angeboten. Es wird Osterschmuck vorgeführt und verkauft.
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Der Karfreitag ist in Polen kein gesetzlicher Feiertag. Es wird gearbeitet, trotzdem nehmen sich die Menschen die Zeit, in die Kirche zu gehen um zu beten. Drinnen ist es dunkel und still. Keine Glocken läuten. Die gläubigen Polen verbringen Stunden im Gebet am symbolischen Grab Christi. In vielen Häusern sind die Spiegel und die Christusbilder mit schwarzen Tüchern verhängt.
Am Ostersamstag werden die letzten Festvorbereitungen in den Familien getroffen. Es wird nach alten Sitten und Rezepten gekocht und gebacken. Das Essen von Omas ist immer noch am Besten.
SwieconkaDann müssen die Osterkörbe gerichtet werden. An dem Tag finden in jeder Kirche stündlich kleine Andachten mit der Segnung der mitgebrachten Speisen statt. In den Körben liegen Eier, Wurst, Salz, Pfeffer, Meerrettich, Brot und Kuchen, drapiert auf weißem Leinen und mit Weidenkätzchen und Buchsspann geschmückt. Auf den Straßen sieht man überall die Kinder und die Alten, die mit den Körben unterwegs sind. Die Eltern beenden in dieser Zeit die Hausarbeit. Die Zeit vor Ostern das ist auch eine gute Gelegenheit, Frühjahrsputz zu erledigen. Es wird geschrubbt und gebohnert! Die Wohnungen sehen wie geleckt aus!
Am Ostersonntag oder schon in der Osternacht sind die Kirchen überfüllt. Die Messe beginnt in völliger Dunkelheit. Das ist symbolisch zu verstehen, dass wir in einer düsteren Welt ohne Glauben leben. Dann bricht das Osterfeuer die Dunkelheit. Immer mehr Lichter werden an der Osterkerze entzündet, die durch die Kirche getragen wird. Die Menschen singen Osterlieder. Orgelklang, Glockenläuten und Böllerkrachen verkünden die Freude der Auferstehung.
Tisch
Die Fastenzeit ist endlich vorbei. „Alleluja“! Alle eilen nach Hause zum großen Osterfrühstück. Frühstück ist eigentlich eine bescheidene Bezeichnung, für das was nun folgt. Zuerst teilt man mitgebrachte, gesegnete Speisen mit allen Familienmitgliedern. Jeder bekommt ein Stückchen davon ab. Dabei werden Glück- und Segenswünsche für alle Anwesenden ausgesprochen.
zurekDanach wird die klassische Sauermehlsuppe – żurek wielkanocny – (Schuräk) serviert. Sie wird mit Schinkenwürfeln und gekochten Eiern gegessen und am Tisch mit Meerrettich nachgewürzt. Es folgen eine Fülle kalter Speisen: selbstgebratene Fleischpasteten, Fleisch in Aspik, verschiedene Wurstsorten, Salate und natürlich pisanki (pissanki) – in Zwiebelschalen gefärbte Eier.
SüßesDas späte Frühstück zieht sich bis in die Nachmittagszeit hinein. Man geht von deftigen Speisen zu Süßen über: gebackene oder aus Zucker gefertigte Lämmer, die klassische babka wielkanocna – Osternapfkuchen, Käse- und Mohnkuchen. Und zum Schluss mazurekmazurek (masuräck) ein Mürbeteigboden mit Karamellüberzug. Die Dekorationen darauf sind der ganze Stolz jeder Hausfrau.
Am Ostermontag ist es vorbei mit den Feierlichkeiten. Das ist der Tag des Wassers, – Śmingus Dyngus. Beim Spaziergang sollte man wachsam oder gut zu Fuß sein. Regenfeste Kleidung wäre auch vom Vorteil. Jeder der vorbei kommt, wird erbarmungslos mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln, und sogar ganzen Eimern voll Wasser traktiert.
Dieser Brauch stammt aus dem Jahre 966, als der polnische König Mieszko I. am Ostermontag getauft wurde und Polen damit zum Christentum bekehrte.
Verbringen Sie dieses Fest der Freude in Polen in einer traditionellen und familiären Atmosphäre. Vielleicht bei Herrn Zdzisław Kosikowski in Woiwodschaft Westpommern. In seinem Hotel und Restaurant im Zentrum von Stargard feiert er diesen Brauch ausgiebig. Seine Enkeln, der 11 jährige Kacper und der 6 jährige Hubert helfen kräftig mit.

Sie können dort nicht nur polnische Bräuche hautnah erleben sondern auch die polnische Küche genießen.

Sie werden es nie vergessen!

Frühling in Polen

Es ist schon März. Überall riecht es nach Frühling! Auch in Polen.
Der Frühling – wiosna (wjoßna) – ist auf Polnisch weiblich; Eine junge Frau mit Blumen im Haar, bunt und fröhlich ist sie.
Aber bevor der Frühling begrüßt werden kann, muss man den Winter vertreiben. Das feiert man in Polen am 21 März auf eine ganz besondere Art.
In der vorchristlicher Zeit glaubten die Slawen, dass Winter Tod und Krankheit symbolisiert. Sie stellten ihn als eine Göttin dar. Winter– zima (sima) – ist auf Polnisch auch weiblich. Diese Göttin hieß Marzanna (maschan-na) und war für alle Unannehmlichkeiten des Winters wie Kälte, Eis, Schnee und Stürme verantwortlich. Nur durch ein Opfer konnte man den Winter vertreiben und Platz für Neuanfang schaffen.

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Also bastelten die Slawen eine Strohpuppe und nannten sie Marzanna.  Sie zogen ihr Frauenkleider an, schmückten sie mit bunten Bändern und trugen sie mit viel Lärm und Musik durch den ganzen Ort.
Sie wurde in jede noch so kleine Pfütze getaucht, bis sie auf einem freien Feld angezündet und brennend in einem Fluss ertränkt wurde.
Früher war das eine ernste Angelegenheit. Der Brauch unterlag vielen festen Regeln. Nicht Einhaltung konnte schlimme Folgen für die Menschen haben, wie Krankheit oder sogar Tod.
Die Polen sind bis heute sehr abergläubisch.
Die Kirche hatte von Anfang an versucht, diesen heidnischen Brauch zu bekämpfen und zu verbieten. Das war aber mit den Polen nicht zu machen. Die hatten schon immer ihren eigenen Kopf 😉
Aber heute feiert man Marzanna nur aus Spaß an der Freude. Obwohl der Brauch seit den 60er Jahren eine Konkurrenz bekommen hat. Auch am 21 März findet der „Tag des Schulschwänzens“ statt. Dieser neue Brauch wird von den Lehrern nicht nur toleriert, sondern zum Teil auch mit organisiert. Na ja, im Frühling werden sogar die Lehrer gnädiger.

Wrocławska zima – Breslauer Winter

Der richtige Winter ist da! Aber nicht nur hier in Baden, auch in Wrocław fiel diese Woche Neuschnee und die Temperaturen sanken in den Keller.
Der Winter in meiner Stadt hat viele Gesichter.
Es gibt Jahre, wo der Schnee meterhoch liegt und sogar auf dem Marktplatz die Sicht behindert.

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Dann wiederum kann man von der weißen Pracht nur träumen, dafür sind die Temperaturen eisig. Die Breslauer Künstler nützen das für ihre Ideen, wie hier zum Valentinstag.

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In solchen, schneearmen Jahren haben die Kinder die Möglichkeit in den Parks mit Kunstschnee zu spielen. Hier im Park Szczytnicki macht so eine Schneeballschlacht den Kleinen und den Großen viel Spaß…

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Ich habe es auch gemacht 😉

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Manchmal gibt es in Breslau so tiefe Temperaturen, dass sogar die Oder zufriert. So ein Eis- und Schneeteppich auf dem Fluss sieht wirklich märchenhaft aus.

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Aber wenn der Schnee da ist, herrschen auf den Straßen keine märchenhaften Verhältnisse und die Bewohner müssen sich auf viele Unannehmlichkeiten einstellen.
Der Verkehr in der Stadt läuft dann nicht ganz reibungslos.

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Die Straßen werden öfters geräumt aber die Fußgänger haben die Nachsicht!

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Ich weiß es wirklich nicht, wie die Polinnen es schaffen, auf solchen Wegen mit den Stöckelschuhen zu laufen, aber sie machen es, und ernten meine Bewunderung dafür 😉
Die Straßenbahnen haben dann schon mal eine Verspätung …

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… und mancher erkennt seinen Wagen unter dem Schnee nicht mehr …

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Dafür kann man auf dem fast menschenleeren Marktplatz bequem Shoppen gehen…

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oder einen schönen Spaziergang in der Natur machen …

12.Unterwegs

Ja, besuchen Sie meine Stadt auch im Winter und erleben Sie die weiße Pracht auf der ganzen Linie.

13.Zima

Wenn Ihnen nach einiger Zeit doch kalt wird, fragen Sie mich, wo man sich in Wrocław am besten bei Grog oder Tee mit Rum erwärmen kann?
Viel Spaß und bis bald  🙂

Karneval in Polen

Die fünfte Jahreszeit ist da! Alle Vereine und private Personen bereiten sich hier im Lande auf die großen Umzüge vor.
Feiern die Polen überhaupt Fasching, Fasnet, Karneval?
Ja, sie feiern es, aber ein bisschen anders als die Deutschen.
Der Karneval (Karnawał ) hat in Polen eine jahrhundertalte Geschichte. An den Höfen des Adels, der Reichen und Mächtigen,  fanden prachtvolle Maskenbälle statt.
Auch heute wird es in den Städten mondän gefeiert. Man besucht  die Oper,  die Philharmonie, Theatervorstellungen.  Die Polen feiern Karneval mit viel Tanz, Musik und gutem Essen, manchmal auf Partys in Restaurants oder auch bei sich zu Hause.
025Sie feiern weniger kommerziell, dafür aber mit ganz viel Spaß bei der Sache.
Einen authentischen Fasching (Zapusty) kann man in ländlichen Gegenden erleben, wo sich die christlichen Formen mit altpolnischen und urslawischen Bräuchen vermischen.

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Der Bekannteste, Góralen-Karneval (Karnawał Góralski ), findet  in der kleinen Tatra-Gemeinde Bukowina Tatrzańska bei Zakopane statt. Die Góralen, wie die Bergbewohner im Süden Polens heißen, ziehen ihre Feiertagstracht an,  tanzen den Räubertanz (Taniec Zbójecki ) und singen ihre Volkslieder. Der mit Beilen ausgeführte Tanz ist ein Relikt der wilden Vergangenheit der Góralen. Als nomadisierende Hirten standen sie in früheren Jahrhunderten häufig in Konflikt mit der Obrigkeit. Zum Schluss gibt es ein Pferdeschlittenrennen (Kulig )
Auch in den Dörfern Masowiens oder in der Kaschubei wird sehr volkstümlich, bunt und laut gefeiert. Der letzte Donnerstag des Karnevals heißt in Polen “Tłusty czwartek(fetter Donnerstag). An dem Tag essen alle Polen Berliner, Krapfen oder pączki  ;-).

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Die besten und heißbegehrten waren von Blikle, einer alten Firma aus Warschau. Sie gibt es leider nicht mehr 🙁

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Auch Schmalzgebäck (faworki ) haben an diesem Tag große Konjunktur. Die Rezepten werden von Generation zu Generation weiter gegeben!

Faworki

Der Karneval endet in der Nacht zum Aschermittwoch mit einer großen Faschingsfeier.  An diesem Abend wird Hering (śledzik ) in verschiedensten Varianten serviert. Er ist die Ankündigung der nahenden Fastenzeit.

18. Sledzie

                                             Ich wünsche Allen viel Spaß 🙂

Weihnachten in Polen – Boże Narodzenie

Bestimmt haben auch Sie diesen EDEKA Weihnachtsspot „Zeit heimzukommen“ gesehen? So etwas kann in Polen nicht passieren. Die Autofahrer merken es ganz deutlich. Auf den deutschen Autobahnen sieht man dann plötzlich sehr viele englische, holländische, belgische, französische oder spanische Kennzeichen. Ich kann meinen Kopf verwetten, dass in diesen Autos keine Engländer, Holländer, Belgier, Franzosen oder Spanier sitzen! Auch in vielen deutschen Autos, die Richtung Osten fahren, sitzen nicht immer Deutsche hinterm Lenkrad. Ja, es sind meistens Polen, die Weihnachten zusammen mit der ganzen Familie in der alten Heimat verbringen möchten.

Baum

Ich habe es auch gemacht, mich ins Auto gesetzt und bin über 10 Stunden nach Wrocław gefahren. Trotzt großen Strapazen, ist es immer schön, die Feiertage mit meiner Mutter, meiner Schwester und der ganzen, großen Familie zu feiern.
Der Advent wird in Polen nicht privat sondern nur in der Kirche gefeiert. Weihnachten und vor allem der Heilige Abend (Wigilia) ist das wichtigste Familienfest und eines der traditionsreichsten Weihnachtsfeste der Welt überhaupt.
Die alten, christlichen Weihnachtstraditionen sind in Polen immer noch sehr lebendig. Schon Wochen vorher herrscht in den meisten Familien eine große Aufregung und Vorfreude aufs Fest. Es wird geplant, Einladungen werden verschickt, die Wohnung auf Vordermann gebracht. Alle Beteiligten kochen, braten, backen um die Wette.
Die Vorbereitungen zum Heiligen Abend beginnen bereits am frühen Morgen mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes. Die Kinder dürfen ihn erst am Abend in voller Pracht mit Lichtern und schön verpackten Geschenken darunter sehen.
Man glaubt, dass der Ablauf des Tages für das gesamte folgende Jahr entscheidend ist, daher wird viel Wert auf Konfliktlosigkeit und Ruhe in der Familie gelegt. Alle Probleme werden an diesem Tag unter den Teppich gekehrt.
Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Heilige Abend – Wigilia. Am 24.12. wird noch gefastet also sind an dem Tag Fleischgerichte und Wodka tabu. Dafür fallen alle anderen Speisen üppiger aus und man darf dazu Wein trinken.
Fast den ganzen Tag wird nichts oder nur wenig gegessen. Am späten Nachmittag kann man miterleben, wie alle Kinder in den Himmel schauen. Sie warten aber nicht auf den Schlitten des Weihnachtsmannes, die Geschenke vom Nikolaus liegen schon unter dem Baum. Sie warten auf den Ersten Stern. Erst wenn er aufgeht, darf man mit der Wigilia anfangen.
Zuerst wird aus der Bibel die Geschichte von der Christi Geburt in Betlehem vorgelesen. Danach wird gemeinsam in christlichen sowie nicht-christlichen polnischen Familien ein Ritual – die Teilung einer geweihten Oblate – als Zeichen der Liebe, der Freundschaft und des Friedens durchgeführt.

Oplatte 1

Oplatte 3Jeder bricht sich ein Stückchen der Oblate ab und teilt sie mit allen Anwesenden, wobei man sich gegenseitig die Erfüllung aller Wünsche ausspricht. Danach wird umarmt und geküsst. Die Polen lieben den engen Körperkontakt. Damit auch die nicht anwesenden Freunde und Familienmitglieder an dem Ritual teilnehmen können, werden die Oblaten und die Wünsche in der Vorweihnachtszeit in die ganze Welt verschickt. Dann kann man sich endlich an den üppig gedeckten Tisch setzen.
033.Tisch
Unter der Tischdecke liegt ein kleines Bündel Stroh, als Erinnerung an die Jesus Geburtsstätte. Ein ebenso fester Bestandteil des polnischen Weihnachtfestes ist ein zusätzliches Gedeck für die Verstorbenen und alle anderen, die nicht mitfeiern können wie auch für den Fall, dass ein unerwarteter Gast oder Bedürftiger an die Tür klopft. Auch ein Fremder ist an diesem Tag herzlich eingeladen. Ein altpolnischer Brauch ist es auch, am Heiligen Abend alleinstehende und einsame Menschen – oft Nachbarn – einzuladen.
Zur Wigilia (am 24.12.) gibt es zwölf Gerichte die symbolisch für die Monate des Jahres und die zwölf Apostel stehen. Obwohl die Zahl der Gerichte heute nicht immer eingehalten wird glaubt man daran, dass viele Speisen für das folgende Jahr Wohlstand für die Familie bringen. In jedem Fall müssen alle Gerichte wenigstens probiert werden.
30.ZupaEs wird Roterübensuppe mit Teigtaschen (barszcz z uszkami) oder Pilzsuppe (zupa grzybowa) mit pilzgefüllten Creps (naleśniki z grzybami) serviert. Danach kommen auf den Tisch: gebratener Karpfen, Karpfen in Aspik (karp w galarecie), Kohl mit Erbsen (kapusta z grochem),
Hering in Öl und Hering mit Sahne (śledzie w oleju i w śmietanie) kutja (eine Getreidespeise mit Honig, Nüssen, Mohn und Rosinen) wie auch
Kompott 33.Kapustaaus Trockenobst (kompot z suszu). Süßes gehört zum polnischen Weihnachtsessen ebenso dazu. Besonders Mohn- und Hefekuchen sind unverzichtbar.
Es wird viel gesungen während der Wigilia. Die polnischen Weihnachtslieder – Kolędy – gehören zu den schönsten der Welt. Nach dem oft stundenlangen Abendessen gibt es Bescherung.
Der Abend endet meistens mit der feierlichen Mitternachtsmesse, der Pasterka, zu der die ganze Familie gemeinsam geht. Ein kleiner Verdauungsspaziergang tut gut.
Danach ist es schon der 25.12. und kein Fastentag mehr! Also man kann mit den Fleichgerichten und mit Wodka beginnen.
Nach dem Essen wird entweder eine Fischschuppe oder eine Fischgräte ins Portemonnaie gesteckt. Sie soll für Wohlstand und Glück im nächsten Jahr sorgen.
Am ersten Weihnachtstag bleibt man Zuhause. Man verbringt den Tag mit der Familie. Die in den Tagen zuvor bereits gekochten Speisen, werden dann verzehrt. Am zweiten Feiertag besucht man Verwandte und Freunde.
Die deutschen Weihnachtsgänse kommen meistens aus Polen. Zum polnischen Weihnachtsessen gehören sie aber nicht dazu. Vielleicht “reisen” aus diesem Grunde viele Gänse in dieser Zeit ins Ausland.
Ich wünsche allen meinen Lesern wunderschöne, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2016.

Frohe Weihnachten – Wesołych Świąt.

Advent, Advent …

Bald haben wir den Advent. Überall weihnachtet es sehr. Wir können uns von Nikoläusen, Plätzchen und Stollen nicht mehr retten!  Die Städte sind wunderschön geschmückt und beleuchtet. Fernsehprogramme und Radiosender überbieten sich mit passenden Themen.

Der Advent wird in Polen nicht so öffentlich gefeiert wie in Deutschland, sondern nur in der Kirche.Seit einigen Jahren werden aber auch hier, die aus Deutschland „importierten“ Weihnachtsmärkte immer beliebter.

Einer der schönsten steht in Breslau/Wrocław. Er erlebte seine Premiere 2008 und heißt auf Polnisch Jarmark Bożonarodzeniowy.

Auf dem mittelalterlichen Marktplatz thront eine große Weihnachtspyramide umrahmt von zahlreichen, geschmückten und beleuchteten Holzbuden. Hier kann man fast alles haben: Thüringer Bratwurst, Dresdner Striezel und Pralinen, Elsässer Flammkuchen oder türkische Baklava sowie deutschen und Breslauer Glühwein mit Rum. Aber es dürfen auch die polnische Würste, Schlesische Klöße und natürlich der gegrillte Oscypek, ein köstlicher Räucherkäse aus der polnischen Tatra nicht fehlen.

Das Thema des Marktes heißt „Weltreise“ Man findet hier nicht nur Essbares,  sondern  auch Geschenkideen aus Deutschland, Volkskunst aus Afrika, arabische Kosmetik und polnischen Bernstein.

Was mal klein angefangen hat erstreckt sich mittlerweile mit mehr als 160 Buden über benachbarte Straßen.

Noch bis 22. Dezember von 10:00 bis 21:00 Uhr kann man hier schlendern und genießen. Das Programm ist abwechslungsreich: Eisskulpturenwettbewerb, Blechkapellen und fantasievolle Paraden. Natürlich hört man auch Weihnachtslieder aus aller Welt und die schönsten polnischen Weihnachtslieder – Kolędy.

Der Weihnachtsmarkt in Wrocław wurde zu einem der fünf schönsten in Europa auserkoren! Also nichts wie hin! Vielleicht treffen wir uns dort?
Und für neugierige ein kleiner Überblick aus dem Jahre 2016  🙂

Wszystkich Świętych

Der erste November – Allerheiligen. Auch in Polen ist das ein gesetzlicher Feiertag. „Wszystkich Świętych“, „Święto Zmarłych“ oder „Zaduszki“ ist dort die wichtigste Familienfeier nach Ostern und Weihnachten. Vier Tage lang herrscht im Land der Ausnahmezustand. Ein Besuch der Familiengräber ist Pflicht. In diesen Tagen ist ganz Polen auf den Beinen. In den Städten fahren Busse und Bahnen Sonderfahrten. Auf den Straßen gibt es kilometerlange Staus. Die Züge sind übervoll. Alle Menschen machen sich auf den Weg um auf den Friedhöfen, der verstorbenen Angehörigen zu gedenken. Halloween hat hier kaum eine Chance.

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Für die Polen ist das nicht nur ein Tag um an die Toten zu denken, sondern auch ein Familienfest. Sogar die entfernten Verwandten kehren an dem Tag heim. Kein Weg ist ihnen zu weit und keine Ausgabe zu teuer. Die Polen lieben solche Feste, wenn die ganze Familie zusammen ist und die Tische voller Speisen sind. Aber zuerst muss das alles gut vorbereitet sein.
Schon Tage vorher werden die Gräber geschrubbt und geschmückt, die Blumen und Kerzen eingekauft. Diese sehen, mit ihren Formen und Farben, fast wie Aladins Wunderlampen aus.

4.Nacht

Den ganzen Tag lang halten sich auf den Friedhöfen unbeschreiblich viele Menschen auf. Die letzten Arbeiten werden verrichtet, die Kerzen angemacht. Man trifft Verwandte und Bekannte, unterhält sich leise miteinander. Besonders beeindruckend ist der Anblick der Friedhöfe am Abend. Zehntausende von Kerzen lassen den Himmel leuchten. Wachsgeruch liegt in der Luft.

39.Lichtermeer

Die Bilanz nach den Festtagen: unzählige vorübergehend festgenommene angetrunkene Autofahrer, viele Tote und Verletzte auf den Straßen aber auch viele Familien, die wieder enger zusammen gekommen sind.

Herbst in Polen

Herbst in Polen zu erleben ist eine Symphonie der Sinne. Es ist die Zeit der Fülle, der Ernte, der Harmonie in der Natur, die sich langsam auf den Winterschlaf vorbereitet.
Meine Geschichte beginnt im Süden Polens. Dort gibt es Tatry – die hohe Tatra – das sind nicht nur Worte und Bilder, das sind Gefühle. Ein Traum von Farbenspiel in einer Märchengegend. Wer von den Berggipfeln die Herberge im Tal der 5 Seen erlebt , wenn sie von der untergehenden Sonne vom Licht überflutet wird, vergisst es nie.
Wer nicht so hoch steigen mag, kann wunderbar die Beskiden durchstreifen und vielleicht die Lanckorona entdecken: eine Siedlung in der Nähe von Krakau mit mittelalterlichen Holzvillen mitten im Blumenmeer.
Polen lädt zu langen Wanderungen durch Wälder und Felder ein, wo wir den Duft der Pilze einatmen und mit vollen Körben zurückkommen.

Wald

Herbst auf dem Bauernhof – Agroturystyka – ist in Polen weit verbreitet. Man findet ein großes Angebot an interessanten Bauernhöfen mit Familienanschluss und guter polnischer Küche.
Die einfachen Gaststätten und gehobenen Restaurants im ganzen Land bieten leckere Pilzgerichte an, dazu das polnische Bier oder den weltberühmten Wodka!
Man kann das Essen in Polen stundenlang zelebrieren oder auch schnell aufessen und weiter wandern. Es gibt immer etwas zu sehen.
Die Tiere ziehen jetzt ihre Winterkleidung an. Hier begegnet man in der Natur nicht nur Rehen und Hirschen sondern auch Fuchsen, Wölfen, Luchsen und Bisons.
Wer die Weite erleben möchte, kann an der Ostsee nach Bernstein suchen. Die langen und breiten Strände sind jetzt fast menschenleer, frische Luft, Sand und Wasser gibt es dagegen im Überfluss!
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Die Natur bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Polnische Städte schlafen dagegen nie!
In jeder noch so kleinen Stadt finden im Herbst zahlreiche Konzerte und Festivals statt. Ob Hip Hop, Jazz, Flamenca, Gitarre, Salsa-Symphonie, Rock, Popp, Schlager, Symphonica, jeder findet etwas für sein Geschmack.
Das größte Ereignis mit internationalem Rang „Festival der Modernen Musik“, findet in Warschau statt. Breslau bietet jedes Jahr im September das Musikfestival „Wratislavia Cantans“. Weltbekannte Künstler spielen vor allem alte Stücke: Oratorien und Kantaten. Zu dieser Zeit trifft man in Breslau – auf Polnisch Wrocław – viele berühmte und prominente Menschen aus ganz Europa und Übersee.

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Guten Appetit – Smacznego

Sommer, Sonne, laue Nächte … Grillen am Abend. Aber was isst man mittags, wenn die Temperaturen fast die 40°C Marke erreichen? Wenn der Magen keine Lust auf Braten mit Rotkraut hat?
Die Polen haben da ihre Ideen und die heißen „Kalte Suppen“. Eine davon ist chłodnik (huodnik). Der Name leitet sich vom Wort chłodno (kühl) ab. Und wie macht man sie?

Zuerst braucht man „botwinka“ – eine Basissuppe. Diese machen die vorsorglichen Hausfrauen schon im Vorjahr in Weckgläser ein. Dazu werden ganz junge Rote Beete-Pflänzchen zusammen mit Blättern und Stängel eingekocht.

Dann, an so einem heißen Tag, macht man ein Glas auf, schnipselt einige hart gekochte Eier, eine Salatgurke, Schnittlauch und Dill dazu. Das Ganze wird mit Crème Fraîche und Joghurt verfeinert. Dazu passen Salz-Dill-Kartoffeln mit einem Klecks Butter ausgezeichnet.

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Ich wünsche einen Guten Appetit 🙂