Frühling in Polen

Es ist schon März. Überall riecht es nach Frühling! Auch in Polen.
Der Frühling – wiosna (wjoßna) – ist auf Polnisch weiblich; Eine junge Frau mit Blumen im Haar, bunt und fröhlich ist sie.
Aber bevor der Frühling begrüßt werden kann, muss man den Winter vertreiben. Das feiert man in Polen am 21 März auf eine ganz besondere Art.
In der vorchristlicher Zeit glaubten die Slawen, dass Winter Tod und Krankheit symbolisiert. Sie stellten ihn als eine Göttin dar. Winter– zima (sima) – ist auf Polnisch auch weiblich. Diese Göttin hieß Marzanna (maschan-na) und war für alle Unannehmlichkeiten des Winters wie Kälte, Eis, Schnee und Stürme verantwortlich. Nur durch ein Opfer konnte man den Winter vertreiben und Platz für Neuanfang schaffen.

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Also bastelten die Slawen eine Strohpuppe und nannten sie Marzanna.  Sie zogen ihr Frauenkleider an, schmückten sie mit bunten Bändern und trugen sie mit viel Lärm und Musik durch den ganzen Ort.
Sie wurde in jede noch so kleine Pfütze getaucht, bis sie auf einem freien Feld angezündet und brennend in einem Fluss ertränkt wurde.
Früher war das eine ernste Angelegenheit. Der Brauch unterlag vielen festen Regeln. Nicht Einhaltung konnte schlimme Folgen für die Menschen haben, wie Krankheit oder sogar Tod.
Die Polen sind bis heute sehr abergläubisch.
Die Kirche hatte von Anfang an versucht, diesen heidnischen Brauch zu bekämpfen und zu verbieten. Das war aber mit den Polen nicht zu machen. Die hatten schon immer ihren eigenen Kopf 😉
Aber heute feiert man Marzanna nur aus Spaß an der Freude. Obwohl der Brauch seit den 60er Jahren eine Konkurrenz bekommen hat. Auch am 21 März findet der „Tag des Schulschwänzens“ statt. Dieser neue Brauch wird von den Lehrern nicht nur toleriert, sondern zum Teil auch mit organisiert. Na ja, im Frühling werden sogar die Lehrer gnädiger.