Pfingsten in Polen

PfingstenZielone Świątki   (siälonä chwiontki)
Pfingsten – einer der wichtigsten katholischen Feiertage, wird heute in Polen nicht mal in der Kirche besonders groß gefeiert und Pfingstmontag ist ein ganz normaler Arbeitstag.
Ganz anders sah es noch vor dem Krieg aus. Der polnische Name Zielone Świątki – Das grüne Fest – hat seinen Ursprung in dem slawisch-vorchristlichen Frühlingsfest.
Die Menschen wollten damals die Winterdämonen vertreiben. Sie freuten sich auf den Sommer, schmückten die Häuser mit Blumen, grünen Zweigen und kleinen Birkenbäumchen, die die Fruchtbarkeit und Kraft der Natur symbolisieren sollten. Überall wurden große Feuer angezündet. Durch die bestellten Felder gingen ganze Prozessionen mit Fahnen und kirchlichem Gesang.
Als Schutz vor den Hexen beräucherte man die Nutztiere mit verbrannten Kräutern.
Maibaum
Es wurden Maibäumchen aufgestellt, die mit Blumenkränzen und langen Bändern geschmückt wurden. Man tanzte um sie herum und sang fröhliche Lieder.
Vor allem die Hirten feierten diese Tage sehr ausgiebig. Sie tanzten, sangen schmausten und zechten! Pfingsten, das war ein richtiges Hirtenfest! Die Hauptspeise an diesen Tagen war: Rührei mit viel Wurst drin und am Feuer gebackene Kartoffeln. Dazu floss natürlich reichlich Wodka.
In den Städten feierte man Maifeste in der Natur. Die Menschen packten ihre Körbe und fuhren ins Grüne. Picknick wurde nicht erst im 20. Jahrhundert erfunden. Außerhalb der Städte wurden regelrechte Volksfeste veranstaltet mit Jahrmarkt und Fahrgeschäften.
Es ist schade, dass diese schöne Tradition nicht weiter gepflegt wird.       Und Pfingstrosen heißen auf Polnisch Piwonie (piwonjä)

 

Ostern in Polen – Wielkanoc

Die Natur ist endlich aufgewacht. Die Krokusse und die Osterglocken strecken ihre Blüten zur Sonne. Es ist bunt, überall!
In den Geschäften füllen liegen Osterhasen, Ostereiern und Osterschmuck. Die Kinder freuen sich schon auf die Osterfeier, die Eiersuche und die Geschenke.
Diese immer wieder kehrenden Rituale vermitteln ein Stück Halt und Orientierung. Darauf kann man sich freuen, das ist sicher. Rituale bieten Halt und Struktur, aber auch Glanz und Glorie.
Die heutige Welt ist schnell, laut und unberechenbar. Wir müssen uns immer neu auf Neues einstellen. Rituale bieten ein Stückchen Sicherheit. Das sind kleine und große Höhepunkte, auf die sich alle freuen.
Die polnische Tradition hat viele Rituale zu bieten. Auch am Ostern.
Ostern – Wielkanoc (wiälkanoz – die große Nacht), das ist die Kirche, die Familie, viel Essen auf dem Tisch und Unmengen von Wasser.
Polen ist immer sehr katholisch gewesen. Heute vielleicht noch mehr als es vor 50 Jahren war. Die christlichen Traditionen sind hier sehr lebendig. Der Osterhase ist auch in Polen – seit der Öffnung nach Westen – bekannt, hat aber keine Chance, sich zu etablieren. Für die Menschen ist die Passion, die Auferstehung Christi, die alten Bräuche, die Familie wichtig.
Palmen
Die Karwoche fängt mit Palmsonntag an. In der Kirche werden Palmzweige, aber auch die Weidenkätzchen geweiht. Die Polen fasten in dieser Zeit. Es wird kein Fleisch gegessen. Die Strenggläubigen leben nur vom Brot und Wasser. Trotzt der allgemeinen Trauer finden in den Städten verschiedene Veranstaltungen statt. Dort werden regionale Produkte angeboten. Es wird Osterschmuck vorgeführt und verkauft.
R 3
Der Karfreitag ist in Polen kein gesetzlicher Feiertag. Es wird gearbeitet, trotzdem nehmen sich die Menschen die Zeit, in die Kirche zu gehen um zu beten. Drinnen ist es dunkel und still. Keine Glocken läuten. Die gläubigen Polen verbringen Stunden im Gebet am symbolischen Grab Christi. In vielen Häusern sind die Spiegel und die Christusbilder mit schwarzen Tüchern verhängt.
Am Ostersamstag werden die letzten Festvorbereitungen in den Familien getroffen. Es wird nach alten Sitten und Rezepten gekocht und gebacken. Das Essen von Omas ist immer noch am Besten.
SwieconkaDann müssen die Osterkörbe gerichtet werden. An dem Tag finden in jeder Kirche stündlich kleine Andachten mit der Segnung der mitgebrachten Speisen statt. In den Körben liegen Eier, Wurst, Salz, Pfeffer, Meerrettich, Brot und Kuchen, drapiert auf weißem Leinen und mit Weidenkätzchen und Buchsspann geschmückt. Auf den Straßen sieht man überall die Kinder und die Alten, die mit den Körben unterwegs sind. Die Eltern beenden in dieser Zeit die Hausarbeit. Die Zeit vor Ostern das ist auch eine gute Gelegenheit, Frühjahrsputz zu erledigen. Es wird geschrubbt und gebohnert! Die Wohnungen sehen wie geleckt aus!
Am Ostersonntag oder schon in der Osternacht sind die Kirchen überfüllt. Die Messe beginnt in völliger Dunkelheit. Das ist symbolisch zu verstehen, dass wir in einer düsteren Welt ohne Glauben leben. Dann bricht das Osterfeuer die Dunkelheit. Immer mehr Lichter werden an der Osterkerze entzündet, die durch die Kirche getragen wird. Die Menschen singen Osterlieder. Orgelklang, Glockenläuten und Böllerkrachen verkünden die Freude der Auferstehung.
Tisch
Die Fastenzeit ist endlich vorbei. „Alleluja“! Alle eilen nach Hause zum großen Osterfrühstück. Frühstück ist eigentlich eine bescheidene Bezeichnung, für das was nun folgt. Zuerst teilt man mitgebrachte, gesegnete Speisen mit allen Familienmitgliedern. Jeder bekommt ein Stückchen davon ab. Dabei werden Glück- und Segenswünsche für alle Anwesenden ausgesprochen.
zurekDanach wird die klassische Sauermehlsuppe – żurek wielkanocny – (Schuräk) serviert. Sie wird mit Schinkenwürfeln und gekochten Eiern gegessen und am Tisch mit Meerrettich nachgewürzt. Es folgen eine Fülle kalter Speisen: selbstgebratene Fleischpasteten, Fleisch in Aspik, verschiedene Wurstsorten, Salate und natürlich pisanki (pissanki) – in Zwiebelschalen gefärbte Eier.
SüßesDas späte Frühstück zieht sich bis in die Nachmittagszeit hinein. Man geht von deftigen Speisen zu Süßen über: gebackene oder aus Zucker gefertigte Lämmer, die klassische babka wielkanocna – Osternapfkuchen, Käse- und Mohnkuchen. Und zum Schluss mazurekmazurek (masuräck) ein Mürbeteigboden mit Karamellüberzug. Die Dekorationen darauf sind der ganze Stolz jeder Hausfrau.
Am Ostermontag ist es vorbei mit den Feierlichkeiten. Das ist der Tag des Wassers, – Śmingus Dyngus. Beim Spaziergang sollte man wachsam oder gut zu Fuß sein. Regenfeste Kleidung wäre auch vom Vorteil. Jeder der vorbei kommt, wird erbarmungslos mit Wasserpistolen, Wasserbeuteln, und sogar ganzen Eimern voll Wasser traktiert.
Dieser Brauch stammt aus dem Jahre 966, als der polnische König Mieszko I. am Ostermontag getauft wurde und Polen damit zum Christentum bekehrte.
Verbringen Sie dieses Fest der Freude in Polen in einer traditionellen und familiären Atmosphäre. Vielleicht bei Herrn Zdzisław Kosikowski in Woiwodschaft Westpommern. In seinem Hotel und Restaurant im Zentrum von Stargard feiert er diesen Brauch ausgiebig. Seine Enkeln, der 11 jährige Kacper und der 6 jährige Hubert helfen kräftig mit.

Sie können dort nicht nur polnische Bräuche hautnah erleben sondern auch die polnische Küche genießen.

Sie werden es nie vergessen!

Wrocławska zima – Breslauer Winter

Der richtige Winter ist da! Aber nicht nur hier in Baden, auch in Wrocław fiel diese Woche Neuschnee und die Temperaturen sanken in den Keller.
Der Winter in meiner Stadt hat viele Gesichter.
Es gibt Jahre, wo der Schnee meterhoch liegt und sogar auf dem Marktplatz die Sicht behindert.

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Dann wiederum kann man von der weißen Pracht nur träumen, dafür sind die Temperaturen eisig. Die Breslauer Künstler nützen das für ihre Ideen, wie hier zum Valentinstag.

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In solchen, schneearmen Jahren haben die Kinder die Möglichkeit in den Parks mit Kunstschnee zu spielen. Hier im Park Szczytnicki macht so eine Schneeballschlacht den Kleinen und den Großen viel Spaß…

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Ich habe es auch gemacht 😉

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Manchmal gibt es in Breslau so tiefe Temperaturen, dass sogar die Oder zufriert. So ein Eis- und Schneeteppich auf dem Fluss sieht wirklich märchenhaft aus.

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Aber wenn der Schnee da ist, herrschen auf den Straßen keine märchenhaften Verhältnisse und die Bewohner müssen sich auf viele Unannehmlichkeiten einstellen.
Der Verkehr in der Stadt läuft dann nicht ganz reibungslos.

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Die Straßen werden öfters geräumt aber die Fußgänger haben die Nachsicht!

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Ich weiß es wirklich nicht, wie die Polinnen es schaffen, auf solchen Wegen mit den Stöckelschuhen zu laufen, aber sie machen es, und ernten meine Bewunderung dafür 😉
Die Straßenbahnen haben dann schon mal eine Verspätung …

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… und mancher erkennt seinen Wagen unter dem Schnee nicht mehr …

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Dafür kann man auf dem fast menschenleeren Marktplatz bequem Shoppen gehen…

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oder einen schönen Spaziergang in der Natur machen …

12.Unterwegs

Ja, besuchen Sie meine Stadt auch im Winter und erleben Sie die weiße Pracht auf der ganzen Linie.

13.Zima

Wenn Ihnen nach einiger Zeit doch kalt wird, fragen Sie mich, wo man sich in Wrocław am besten bei Grog oder Tee mit Rum erwärmen kann?
Viel Spaß und bis bald  🙂

Karneval in Polen

Die fünfte Jahreszeit ist da! Alle Vereine und private Personen bereiten sich hier im Lande auf die großen Umzüge vor.
Feiern die Polen überhaupt Fasching, Fasnet, Karneval?
Ja, sie feiern es, aber ein bisschen anders als die Deutschen.
Der Karneval (Karnawał ) hat in Polen eine jahrhundertalte Geschichte. An den Höfen des Adels, der Reichen und Mächtigen,  fanden prachtvolle Maskenbälle statt.
Auch heute wird es in den Städten mondän gefeiert. Man besucht  die Oper,  die Philharmonie, Theatervorstellungen.  Die Polen feiern Karneval mit viel Tanz, Musik und gutem Essen, manchmal auf Partys in Restaurants oder auch bei sich zu Hause.
025Sie feiern weniger kommerziell, dafür aber mit ganz viel Spaß bei der Sache.
Einen authentischen Fasching (Zapusty) kann man in ländlichen Gegenden erleben, wo sich die christlichen Formen mit altpolnischen und urslawischen Bräuchen vermischen.

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Der Bekannteste, Góralen-Karneval (Karnawał Góralski ), findet  in der kleinen Tatra-Gemeinde Bukowina Tatrzańska bei Zakopane statt. Die Góralen, wie die Bergbewohner im Süden Polens heißen, ziehen ihre Feiertagstracht an,  tanzen den Räubertanz (Taniec Zbójecki ) und singen ihre Volkslieder. Der mit Beilen ausgeführte Tanz ist ein Relikt der wilden Vergangenheit der Góralen. Als nomadisierende Hirten standen sie in früheren Jahrhunderten häufig in Konflikt mit der Obrigkeit. Zum Schluss gibt es ein Pferdeschlittenrennen (Kulig )
Auch in den Dörfern Masowiens oder in der Kaschubei wird sehr volkstümlich, bunt und laut gefeiert. Der letzte Donnerstag des Karnevals heißt in Polen “Tłusty czwartek(fetter Donnerstag). An dem Tag essen alle Polen Berliner, Krapfen oder pączki  ;-).

pączki

Die besten und heißbegehrten waren von Blikle, einer alten Firma aus Warschau. Sie gibt es leider nicht mehr 🙁

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Auch Schmalzgebäck (faworki ) haben an diesem Tag große Konjunktur. Die Rezepten werden von Generation zu Generation weiter gegeben!

Faworki

Der Karneval endet in der Nacht zum Aschermittwoch mit einer großen Faschingsfeier.  An diesem Abend wird Hering (śledzik ) in verschiedensten Varianten serviert. Er ist die Ankündigung der nahenden Fastenzeit.

18. Sledzie

                                             Ich wünsche Allen viel Spaß 🙂

Weihnachten in Polen – Boże Narodzenie

Bestimmt haben auch Sie diesen EDEKA Weihnachtsspot „Zeit heimzukommen“ gesehen? So etwas kann in Polen nicht passieren. Die Autofahrer merken es ganz deutlich. Auf den deutschen Autobahnen sieht man dann plötzlich sehr viele englische, holländische, belgische, französische oder spanische Kennzeichen. Ich kann meinen Kopf verwetten, dass in diesen Autos keine Engländer, Holländer, Belgier, Franzosen oder Spanier sitzen! Auch in vielen deutschen Autos, die Richtung Osten fahren, sitzen nicht immer Deutsche hinterm Lenkrad. Ja, es sind meistens Polen, die Weihnachten zusammen mit der ganzen Familie in der alten Heimat verbringen möchten.

Baum

Ich habe es auch gemacht, mich ins Auto gesetzt und bin über 10 Stunden nach Wrocław gefahren. Trotzt großen Strapazen, ist es immer schön, die Feiertage mit meiner Mutter, meiner Schwester und der ganzen, großen Familie zu feiern.
Der Advent wird in Polen nicht privat sondern nur in der Kirche gefeiert. Weihnachten und vor allem der Heilige Abend (Wigilia) ist das wichtigste Familienfest und eines der traditionsreichsten Weihnachtsfeste der Welt überhaupt.
Die alten, christlichen Weihnachtstraditionen sind in Polen immer noch sehr lebendig. Schon Wochen vorher herrscht in den meisten Familien eine große Aufregung und Vorfreude aufs Fest. Es wird geplant, Einladungen werden verschickt, die Wohnung auf Vordermann gebracht. Alle Beteiligten kochen, braten, backen um die Wette.
Die Vorbereitungen zum Heiligen Abend beginnen bereits am frühen Morgen mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes. Die Kinder dürfen ihn erst am Abend in voller Pracht mit Lichtern und schön verpackten Geschenken darunter sehen.
Man glaubt, dass der Ablauf des Tages für das gesamte folgende Jahr entscheidend ist, daher wird viel Wert auf Konfliktlosigkeit und Ruhe in der Familie gelegt. Alle Probleme werden an diesem Tag unter den Teppich gekehrt.
Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Heilige Abend – Wigilia. Am 24.12. wird noch gefastet also sind an dem Tag Fleischgerichte und Wodka tabu. Dafür fallen alle anderen Speisen üppiger aus und man darf dazu Wein trinken.
Fast den ganzen Tag wird nichts oder nur wenig gegessen. Am späten Nachmittag kann man miterleben, wie alle Kinder in den Himmel schauen. Sie warten aber nicht auf den Schlitten des Weihnachtsmannes, die Geschenke vom Nikolaus liegen schon unter dem Baum. Sie warten auf den Ersten Stern. Erst wenn er aufgeht, darf man mit der Wigilia anfangen.
Zuerst wird aus der Bibel die Geschichte von der Christi Geburt in Betlehem vorgelesen. Danach wird gemeinsam in christlichen sowie nicht-christlichen polnischen Familien ein Ritual – die Teilung einer geweihten Oblate – als Zeichen der Liebe, der Freundschaft und des Friedens durchgeführt.

Oplatte 1

Oplatte 3Jeder bricht sich ein Stückchen der Oblate ab und teilt sie mit allen Anwesenden, wobei man sich gegenseitig die Erfüllung aller Wünsche ausspricht. Danach wird umarmt und geküsst. Die Polen lieben den engen Körperkontakt. Damit auch die nicht anwesenden Freunde und Familienmitglieder an dem Ritual teilnehmen können, werden die Oblaten und die Wünsche in der Vorweihnachtszeit in die ganze Welt verschickt. Dann kann man sich endlich an den üppig gedeckten Tisch setzen.
033.Tisch
Unter der Tischdecke liegt ein kleines Bündel Stroh, als Erinnerung an die Jesus Geburtsstätte. Ein ebenso fester Bestandteil des polnischen Weihnachtfestes ist ein zusätzliches Gedeck für die Verstorbenen und alle anderen, die nicht mitfeiern können wie auch für den Fall, dass ein unerwarteter Gast oder Bedürftiger an die Tür klopft. Auch ein Fremder ist an diesem Tag herzlich eingeladen. Ein altpolnischer Brauch ist es auch, am Heiligen Abend alleinstehende und einsame Menschen – oft Nachbarn – einzuladen.
Zur Wigilia (am 24.12.) gibt es zwölf Gerichte die symbolisch für die Monate des Jahres und die zwölf Apostel stehen. Obwohl die Zahl der Gerichte heute nicht immer eingehalten wird glaubt man daran, dass viele Speisen für das folgende Jahr Wohlstand für die Familie bringen. In jedem Fall müssen alle Gerichte wenigstens probiert werden.
30.ZupaEs wird Roterübensuppe mit Teigtaschen (barszcz z uszkami) oder Pilzsuppe (zupa grzybowa) mit pilzgefüllten Creps (naleśniki z grzybami) serviert. Danach kommen auf den Tisch: gebratener Karpfen, Karpfen in Aspik (karp w galarecie), Kohl mit Erbsen (kapusta z grochem),
Hering in Öl und Hering mit Sahne (śledzie w oleju i w śmietanie) kutja (eine Getreidespeise mit Honig, Nüssen, Mohn und Rosinen) wie auch
Kompott 33.Kapustaaus Trockenobst (kompot z suszu). Süßes gehört zum polnischen Weihnachtsessen ebenso dazu. Besonders Mohn- und Hefekuchen sind unverzichtbar.
Es wird viel gesungen während der Wigilia. Die polnischen Weihnachtslieder – Kolędy – gehören zu den schönsten der Welt. Nach dem oft stundenlangen Abendessen gibt es Bescherung.
Der Abend endet meistens mit der feierlichen Mitternachtsmesse, der Pasterka, zu der die ganze Familie gemeinsam geht. Ein kleiner Verdauungsspaziergang tut gut.
Danach ist es schon der 25.12. und kein Fastentag mehr! Also man kann mit den Fleichgerichten und mit Wodka beginnen.
Nach dem Essen wird entweder eine Fischschuppe oder eine Fischgräte ins Portemonnaie gesteckt. Sie soll für Wohlstand und Glück im nächsten Jahr sorgen.
Am ersten Weihnachtstag bleibt man Zuhause. Man verbringt den Tag mit der Familie. Die in den Tagen zuvor bereits gekochten Speisen, werden dann verzehrt. Am zweiten Feiertag besucht man Verwandte und Freunde.
Die deutschen Weihnachtsgänse kommen meistens aus Polen. Zum polnischen Weihnachtsessen gehören sie aber nicht dazu. Vielleicht “reisen” aus diesem Grunde viele Gänse in dieser Zeit ins Ausland.
Ich wünsche allen meinen Lesern wunderschöne, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2016.

Frohe Weihnachten – Wesołych Świąt.

Advent, Advent …

Bald haben wir den Advent. Überall weihnachtet es sehr. Wir können uns von Nikoläusen, Plätzchen und Stollen nicht mehr retten!  Die Städte sind wunderschön geschmückt und beleuchtet. Fernsehprogramme und Radiosender überbieten sich mit passenden Themen.

Der Advent wird in Polen nicht so öffentlich gefeiert wie in Deutschland, sondern nur in der Kirche.Seit einigen Jahren werden aber auch hier, die aus Deutschland „importierten“ Weihnachtsmärkte immer beliebter.

Einer der schönsten steht in Breslau/Wrocław. Er erlebte seine Premiere 2008 und heißt auf Polnisch Jarmark Bożonarodzeniowy.

Auf dem mittelalterlichen Marktplatz thront eine große Weihnachtspyramide umrahmt von zahlreichen, geschmückten und beleuchteten Holzbuden. Hier kann man fast alles haben: Thüringer Bratwurst, Dresdner Striezel und Pralinen, Elsässer Flammkuchen oder türkische Baklava sowie deutschen und Breslauer Glühwein mit Rum. Aber es dürfen auch die polnische Würste, Schlesische Klöße und natürlich der gegrillte Oscypek, ein köstlicher Räucherkäse aus der polnischen Tatra nicht fehlen.

Das Thema des Marktes heißt „Weltreise“ Man findet hier nicht nur Essbares,  sondern  auch Geschenkideen aus Deutschland, Volkskunst aus Afrika, arabische Kosmetik und polnischen Bernstein.

Was mal klein angefangen hat erstreckt sich mittlerweile mit mehr als 160 Buden über benachbarte Straßen.

Noch bis 22. Dezember von 10:00 bis 21:00 Uhr kann man hier schlendern und genießen. Das Programm ist abwechslungsreich: Eisskulpturenwettbewerb, Blechkapellen und fantasievolle Paraden. Natürlich hört man auch Weihnachtslieder aus aller Welt und die schönsten polnischen Weihnachtslieder – Kolędy.

Der Weihnachtsmarkt in Wrocław wurde zu einem der fünf schönsten in Europa auserkoren! Also nichts wie hin! Vielleicht treffen wir uns dort?
Und für neugierige ein kleiner Überblick aus dem Jahre 2016  🙂

Wszystkich Świętych

Der erste November – Allerheiligen. Auch in Polen ist das ein gesetzlicher Feiertag. „Wszystkich Świętych“, „Święto Zmarłych“ oder „Zaduszki“ ist dort die wichtigste Familienfeier nach Ostern und Weihnachten. Vier Tage lang herrscht im Land der Ausnahmezustand. Ein Besuch der Familiengräber ist Pflicht. In diesen Tagen ist ganz Polen auf den Beinen. In den Städten fahren Busse und Bahnen Sonderfahrten. Auf den Straßen gibt es kilometerlange Staus. Die Züge sind übervoll. Alle Menschen machen sich auf den Weg um auf den Friedhöfen, der verstorbenen Angehörigen zu gedenken. Halloween hat hier kaum eine Chance.

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Für die Polen ist das nicht nur ein Tag um an die Toten zu denken, sondern auch ein Familienfest. Sogar die entfernten Verwandten kehren an dem Tag heim. Kein Weg ist ihnen zu weit und keine Ausgabe zu teuer. Die Polen lieben solche Feste, wenn die ganze Familie zusammen ist und die Tische voller Speisen sind. Aber zuerst muss das alles gut vorbereitet sein.
Schon Tage vorher werden die Gräber geschrubbt und geschmückt, die Blumen und Kerzen eingekauft. Diese sehen, mit ihren Formen und Farben, fast wie Aladins Wunderlampen aus.

4.Nacht

Den ganzen Tag lang halten sich auf den Friedhöfen unbeschreiblich viele Menschen auf. Die letzten Arbeiten werden verrichtet, die Kerzen angemacht. Man trifft Verwandte und Bekannte, unterhält sich leise miteinander. Besonders beeindruckend ist der Anblick der Friedhöfe am Abend. Zehntausende von Kerzen lassen den Himmel leuchten. Wachsgeruch liegt in der Luft.

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Die Bilanz nach den Festtagen: unzählige vorübergehend festgenommene angetrunkene Autofahrer, viele Tote und Verletzte auf den Straßen aber auch viele Familien, die wieder enger zusammen gekommen sind.

Herbst in Polen

Herbst in Polen zu erleben ist eine Symphonie der Sinne. Es ist die Zeit der Fülle, der Ernte, der Harmonie in der Natur, die sich langsam auf den Winterschlaf vorbereitet.
Meine Geschichte beginnt im Süden Polens. Dort gibt es Tatry – die hohe Tatra – das sind nicht nur Worte und Bilder, das sind Gefühle. Ein Traum von Farbenspiel in einer Märchengegend. Wer von den Berggipfeln die Herberge im Tal der 5 Seen erlebt , wenn sie von der untergehenden Sonne vom Licht überflutet wird, vergisst es nie.
Wer nicht so hoch steigen mag, kann wunderbar die Beskiden durchstreifen und vielleicht die Lanckorona entdecken: eine Siedlung in der Nähe von Krakau mit mittelalterlichen Holzvillen mitten im Blumenmeer.
Polen lädt zu langen Wanderungen durch Wälder und Felder ein, wo wir den Duft der Pilze einatmen und mit vollen Körben zurückkommen.

Wald

Herbst auf dem Bauernhof – Agroturystyka – ist in Polen weit verbreitet. Man findet ein großes Angebot an interessanten Bauernhöfen mit Familienanschluss und guter polnischer Küche.
Die einfachen Gaststätten und gehobenen Restaurants im ganzen Land bieten leckere Pilzgerichte an, dazu das polnische Bier oder den weltberühmten Wodka!
Man kann das Essen in Polen stundenlang zelebrieren oder auch schnell aufessen und weiter wandern. Es gibt immer etwas zu sehen.
Die Tiere ziehen jetzt ihre Winterkleidung an. Hier begegnet man in der Natur nicht nur Rehen und Hirschen sondern auch Fuchsen, Wölfen, Luchsen und Bisons.
Wer die Weite erleben möchte, kann an der Ostsee nach Bernstein suchen. Die langen und breiten Strände sind jetzt fast menschenleer, frische Luft, Sand und Wasser gibt es dagegen im Überfluss!
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Die Natur bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Polnische Städte schlafen dagegen nie!
In jeder noch so kleinen Stadt finden im Herbst zahlreiche Konzerte und Festivals statt. Ob Hip Hop, Jazz, Flamenca, Gitarre, Salsa-Symphonie, Rock, Popp, Schlager, Symphonica, jeder findet etwas für sein Geschmack.
Das größte Ereignis mit internationalem Rang „Festival der Modernen Musik“, findet in Warschau statt. Breslau bietet jedes Jahr im September das Musikfestival „Wratislavia Cantans“. Weltbekannte Künstler spielen vor allem alte Stücke: Oratorien und Kantaten. Zu dieser Zeit trifft man in Breslau – auf Polnisch Wrocław – viele berühmte und prominente Menschen aus ganz Europa und Übersee.

Wollen Sie weitere interessante Angebote über Polen erfahren: z.B. die Vielfalt unserer Burgen und Schlösser, interessante Museen und Ausstellungen, Kirchen und Kathedralen vielfältige Wanderungen und Ausflüge, setzen Sie sich mit mir in Verbindung. Ich finde für Sie das passende Angebot.

Guten Appetit – Smacznego

Sommer, Sonne, laue Nächte … Grillen am Abend. Aber was isst man mittags, wenn die Temperaturen fast die 40°C Marke erreichen? Wenn der Magen keine Lust auf Braten mit Rotkraut hat?
Die Polen haben da ihre Ideen und die heißen „Kalte Suppen“. Eine davon ist chłodnik (huodnik). Der Name leitet sich vom Wort chłodno (kühl) ab. Und wie macht man sie?

Zuerst braucht man „botwinka“ – eine Basissuppe. Diese machen die vorsorglichen Hausfrauen schon im Vorjahr in Weckgläser ein. Dazu werden ganz junge Rote Beete-Pflänzchen zusammen mit Blättern und Stängel eingekocht.

Dann, an so einem heißen Tag, macht man ein Glas auf, schnipselt einige hart gekochte Eier, eine Salatgurke, Schnittlauch und Dill dazu. Das Ganze wird mit Crème Fraîche und Joghurt verfeinert. Dazu passen Salz-Dill-Kartoffeln mit einem Klecks Butter ausgezeichnet.

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Ich wünsche einen Guten Appetit 🙂

 

Noc Świętojańska – Sobótka

Die Nacht vom 23. auf den 24. Juni – die kürzeste Nacht im Jahr. Seit ewigen Zeiten haben die Slawen am 24. Juni dem Kampf zwischen Gutem und Bösem, Feuer und Wasser und zwischen Tag und Nacht gehuldigt. Und im Baltikum sind die Nächte im Juni besonders hell.
Die größten Feierlichkeiten aber fanden auf dem Berg Sobótka (ssobutka) in den Sudeten statt.
Der Kirche war das von Anfang an ein Dorn im Auge. Also versuchte sie diese Bräuche auf die Nacht vom 23. auf den 24. Juni zu verlegen – die Sankt-Johannes-Nacht – Noc Świętojańska (noz chwiäntojansska) und ein bisschen gesitteter zu gestalten. Das ist ihr nur bedingt gelungen.
Bis in die heutigen Zeiten ist dieser slawische Brauch als ein spektakuläres heidnisches Fest bekannt.
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Überall im Freien werden große Feuer angezündet, in denen Kräuter verbrannt werden. Dieses Ritual soll das reifende Getreide von bösen Kräften schützen. Die Menschen singen und tanzen um das Feuer herum. Die Jungen springen darüber. Manchmal trauen sich die Mädchen auch und springen mit.
Am Tag wurden aus Blumen und Kräutern Kränze geflochten. In die Mitte setzte man eine Kerze, die dann aufs Wasser gelassen wurde. Ob die Kerze ausgeht, der Kranz untergeht oder ruhig weiter schwimmt, daraus hat man die Zukunft der Person gedeutet.

Fluss a

In früheren Zeiten wurden die Ehen von den älteren Familienmitgliedern gestiftet. Die jungen, ledigen Mädchen hatten in dieser Nacht die Möglichkeit ihr eigenes Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Sie setzten die Kränze ins Wasser und ein bisschen weiter am Fluss warteten die Jungen und versuchten die Kränze zu erwischen. Wenn sie mit dem Kranz zu ihrer Besitzerin zurückkehrten, konnten sie ein Paar werden, ohne Gefahr der Verachtung.
Farne
Man glaubte, dass nur in dieser Nacht und nur sehr kurz der Farn blühe. Wer eine solche Blume findet, der kann verborgene Schätze sehen. Viele Menschen suchen in dieser Nacht nach blühenden magischen Farnen.
Es ist einfach ein wunderbares Fest des Feuers, des Wassers, der Sonne und des Mondes, der Ernte und Fruchtbarkeit, der Freude und der Liebe.
In dieser Nacht gibt es noch weitere unzählige Bräuche und Rituale. Die alle hier aufzuzählen, springt den Rahmen meiner Seite. Ich habe nur wenige niedergeschrieben. Am besten erleben Sie dieses einmalige Spektakel live in Polen.
Ich bin Ihnen gerne bei der Planung und Organisation behilflich.

Weihnachten – Boże Narodzenie

Bestimmt haben auch Sie diesen EDEKA Weihnachtsspot „Zeit heimzukommen“ gesehen? So etwas kann in Polen nicht passieren. Die Autofahrer werden es in Kürze merken. Auf den deutschen Autobahnen sieht man dann plötzlich sehr viele englische, holländische, belgische, französische oder spanische Kennzeichen. Ich kann meinen Kopf verwetten, dass in diesen Autos keine Engländer, Holländer, Belgier, Franzosen oder Spanier sitzen! Auch in vielen deutschen Autos, die Richtung Osten fahren, sitzen nicht immer Deutsche hinterm Lenkrad. Ja, es sind meistens Polen, die Weihnachten zusammen mit der ganzen Familie in der alten Heimat verbringen möchten.

Baum

Ich werde mich auch am Samstag ins Auto setzen und über 10 Stunden nach Wrocław fahren. Trotzt großen Strapazen, freue mich schon auf die Feiertage mit meiner Mutter, meiner Schwester und der ganzen, großen Familie.
Der Advent wird in Polen nicht privat sondern nur in der Kirche gefeiert. Weihnachten und vor allem der Heilige Abend (Wigilia) ist das wichtigste Familienfest und eines der traditionsreichsten Weihnachtsfeste der Welt überhaupt.
Die alten, christlichen Weihnachtstraditionen sind in Polen immer noch sehr lebendig. Schon Wochen vorher herrscht in den meisten Familien eine große Aufregung und Vorfreude aufs Fest. Es wird geplant, Einladungen werden verschickt, die Wohnung auf Vordermann gebracht. Alle Beteiligten kochen, braten, backen um die Wette.
Die Vorbereitungen zum Heiligen Abend beginnen bereits am frühen Morgen mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes. Die Kinder dürfen ihn erst am Abend in voller Pracht mit Lichtern und schön verpackten Geschenken darunter sehen.
Man glaubt, dass der Ablauf des Tages für das gesamte folgende Jahr entscheidend ist, daher wird viel Wert auf Konfliktlosigkeit und Ruhe in der Familie gelegt. Alle Probleme werden an diesem Tag unter den Teppich gekehrt.
Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Heilige Abend – Wigilia. Am 24.12. wird noch gefastet also sind an dem Tag Fleischgerichte und Wodka tabu. Dafür fallen alle anderen Speisen üppiger aus und man darf dazu Wein trinken.
Fast den ganzen Tag wird nichts oder nur wenig gegessen. Am späten Nachmittag kann man miterleben, wie alle Kinder in den Himmel schauen. Sie warten aber nicht auf den Schlitten des Weihnachtsmannes, die Geschenke vom Nikolaus liegen schon unter dem Baum. Sie warten auf den Ersten Stern. Erst wenn er aufgeht, darf man mit der Wigilia anfangen.
Zuerst wird aus der Bibel die Geschichte von der Christi Geburt in Betlehem vorgelesen. Danach wird gemeinsam in christlichen sowie nicht-christlichen polnischen Familien ein Ritual – die Teilung einer geweihten Oblate – als Zeichen der Liebe, der Freundschaft und des Friedens durchgeführt.

Oplatte 1

Oplatte 3Jeder bricht sich ein Stückchen der Oblate ab und teilt sie mit allen Anwesenden, wobei man sich gegenseitig die Erfüllung aller Wünsche ausspricht. Danach wird umarmt und geküsst. Die Polen lieben den engen Körperkontakt. Damit auch die nicht anwesenden Freunde und Familienmitglieder an dem Ritual teilnehmen können, werden die Oblaten und die Wünsche in der Vorweihnachtszeit in die ganze Welt verschickt. Dann kann man sich endlich an den üppig gedeckten Tisch setzen.
033.Tisch
Unter der Tischdecke liegt ein kleines Bündel Stroh, als Erinnerung an die Jesus Geburtsstätte. Ein ebenso fester Bestandteil des polnischen Weihnachtfestes ist ein zusätzliches Gedeck für die Verstorbenen und alle anderen, die nicht mitfeiern können wie auch für den Fall, dass ein unerwarteter Gast oder Bedürftiger an die Tür klopft. Auch ein Fremder ist an diesem Tag herzlich eingeladen. Ein altpolnischer Brauch ist es auch, am Heiligen Abend alleinstehende und einsame Menschen – oft Nachbarn – einzuladen.
Zur Wigilia (am 24.12.) gibt es zwölf Gerichte die symbolisch für die Monate des Jahres und die zwölf Apostel stehen. Obwohl die Zahl der Gerichte heute nicht immer eingehalten wird glaubt man daran, dass viele Speisen für das folgende Jahr Wohlstand für die Familie bringen. In jedem Fall müssen alle Gerichte wenigstens probiert werden.
30.ZupaEs wird Roterübensuppe mit Teigtaschen (barszcz z uszkami) oder Pilzsuppe (zupa grzybowa) mit pilzgefüllten Creps (naleśniki z grzybami) serviert. Danach kommen auf den Tisch: gebratener Karpfen, Karpfen in Aspik (karp w galarecie), Kohl mit Erbsen (kapusta z grochem),
Hering in Öl und Hering mit Sahne (śledzie w oleju i w śmietanie) kutja (eine Getreidespeise mit Honig, Nüssen, Mohn und Rosinen) wie auch
Kompott 33.Kapustaaus Trockenobst (kompot z suszu). Süßes gehört zum polnischen Weihnachtsessen ebenso dazu. Besonders Mohn- und Hefekuchen sind unverzichtbar.

Es wird viel gesungen während der Wigilia. Die polnischen Weihnachtslieder – Kolędy – gehören zu den schönsten der Welt. Nach dem oft stundenlangen Abendessen gibt es Bescherung.
Der Abend endet meistens mit der feierlichen Mitternachtsmesse, der Pasterka, zu der die ganze Familie gemeinsam geht. Ein kleiner Verdauungsspaziergang tut gut.
Danach ist es schon der 25.12. und kein Fastentag mehr! Also man kann mit den Fleichgerichten und mit Wodka beginnen.
Nach dem Essen wird entweder eine Fischschuppe oder eine Fischgräte ins Portemonnaie gesteckt. Sie soll für Wohlstand und Glück im nächsten Jahr sorgen.
Am ersten Weihnachtstag bleibt man Zuhause. Man verbringt den Tag mit der Familie. Die in den Tagen zuvor bereits gekochten Speisen, werden dann verzehrt. Am zweiten Feiertag besucht man Verwandte und Freunde.
Die deutschen Weihnachtsgänse kommen meistens aus Polen. Zum polnischen Weihnachtsessen gehören sie aber nicht dazu. Vielleicht “reisen” aus diesem Grunde viele Gänse in dieser Zeit ins Ausland.
Ich wünsche allen meinen Lesern wunderschöne, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2016.

Frohe Weihnachten – Wesołych Świąt.

Karpacz

Mein Tagesausflug von Lubań aus führte nach Krummhübel (Karpacz) ins Riesengebirge.  Der Ort liegt nur 15 Kilometer von Hirschberg (Jelenia Góra) entfernt und gehört zu den beliebtesten Ferienorten in Polen. Er ist auch das wichtigste Zentrum des Tourismus im polnischen Teil des Riesengebirges. Das Städtchen selbst ist schön rausgeputzt. Es gibt hier neben einfachen Unterkünften und Lokalen luxuriöse Hotels und Restaurants, Cafés, Bars und Tanzlokale. Die Polen tanzen gerne.

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Nicht weit vom Zentrum entfernt, auf der Kopernik Straße, befindet sich das Museum für Sport und Touristik.

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Hier erfährt man, wie sich der Wintersport und Tourismus in dieser Region entwickelte, bekommt aber auch Informationen über das Klima und die Geologie. Im Museum kann man die ersten Skier, Schlitten, Schneeschuhe und Bobschlitten bewundern. Auch der Bergbau und die Kräuterkunde werden in gesonderten Ausstellungen interessant dargestellt.
Eine große Attraktion in Karpacz ist die Wang – Kirche aus dem 12. Jahrhundert.

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Diese Kirche wurde in dem norwegischen Ort Wang erbaut. Mit der Zeit verfiel sie dort sehr, wurde auch zu klein für die Gläubigen. Man wollte sie vernichten. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV kaufte sie. Dank der Gräfin Friederike von Reden wurde die Kirche in Einzelteilen nach Karpacz gebracht. Bei der feierlichen Eröffnung im Jahre 1844 war auch die königliche Familie anwesend. Heute gehört die Kirche der protestantischen Gemeinde von Karpacz und an Sonntagen wird für die deutschen Besucher in Deutsch gepredigt. Abends finden hier sehr oft Konzerte statt.

Möchten Sie wissen, wie die Kirche innen aussieht? Na dann fahren Sie selbst dort hin! Es lohnt sich!

Auf dem kleinen Friedhof hinter der Kirche finden wir ein Grab von Henryk Tomaszewski. Er war Schauspieler, Choreograph, Regisseur und der Begründer des heutigen Pantomime-Theaters in Breslau.

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Von 1968 bis zu seinem Tod 2001 lebte Henryk Tomaszewski in Karpacz. Seine Spielzeugsammlung  mit unzähligen Puppen, Schaukelpferden und Bleisoldaten kann man im Spielzeugmuseum in der Karkonoska Straße 5 anschauen.

Eine andere Attraktion von Karpacz ist die Rodelbahn. Mitten im Ort gelegen bietet sie Spaß für kleine und große Besucher.

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Diese Bahn wird von einer deutschen Firma betrieben und gehört zu den modernsten und sichersten ihrer Art. Auf einer Länge von 800 Metern gibt es viele Kurven, trotzdem können die Schlitten bis zu 35 Kilometer pro Stunde schnell fahren.

Wer ein Western-feeling erleben möchte besucht Western-City und vertreibt sich die Zeit bei Rodeo-Shows, Revolver-Duellen und Indianertänzen. Zusätzlich kann man hier im Sommer mit einem Truckwagen und im Winter mit Pferdeschlitten (Kulig) fahren.

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Von Karpacz aus kann man – im Sommer wie im Winter – wunderschöne Touren machen. Die schönsten führen durch den Nationalpark „Riesengebirge“ (Karkonoski Park Narodowy)

Nur einige Kilometer von der Stadt entfernt genießt man herrliche Ruhe am Wilden Wasserfall (dziki wodospad) mit schönen Wanderwegen am Ufer des Flusses

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Und wer hoch hinaus will, der begibt sich zu Fuß oder per Sessellift in die Höhe.

 

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Der Lift wurde 1959 das erste Mal in Betrieb genommen und bringt seitdem Millionen Menschen auf Kopa – 1300 Meter hoch. Ab hier gibt es rund 1300 Kilometer ausgewiesene Wanderwege. Eine rund 1000 Meter lange Bobbahn ist auch im Sommer in Betrieb und im Winter gibt es hier zahlreiche Rodelbahnen, Sprungschanzen, Skipisten und Abfahrtsläufe.

Karpacz war in der Vorkriegszeit ein Austragungsort internationaler Sportmeisterschaften.

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Von Kopa aus führt ein Wanderweg zu der Schneekope (Śnieżka – 1602 Meter), den Deutschen aus der Lebensmittelwerbung gut bekannt!

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Es ist ein Berg, deren Gipfel oberhalb der Waldgrenze liegt und die meiste Zeit von dunklen Wolken bedeckt ist. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 0,2 °C. Über den Gipfel verläuft die Staatsgrenze zwischen Polen und Tschechien.

Einsam und sehr windig ist es hier oben.

Auf der Rückreise von Karpacz besuchte ich das Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten. Was ich dort gesehen habe, erzähle ich es anderen Mal.

Also bis bald 🙂

Tzschocha – eine Burg zum Anfassen.

Die Burg Tzschocha (polnisch Zamek Czocha) liegt nur 15 Kilometer von Lubań  entfernt, am Steilufer der Queis. Die Straßen dorthin sind gut ausgebaut und beschriftet.

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Die Burg entstand nach 1240 und diente der Grenzsicherung der Böhmen gegenüber Schlesien. Sie erlebte eine bewegte Geschichte und wechselte ständig ihre Besitzer.

An der Burg kamen viele Kriege und Brände nicht vorbei. Ausgebaut, umgebaut und wieder aufgebaut veränderte sie mit der Zeit ihr Aussehen.

Im 16. Jahrhundert hatte sie ihre gute Zeit erlebt. Johann von Nostitz baute sie zu einer großen Burganlage im Stil der Renaissance aus. Aus dieser Zeit stammen die Gräben, Zwinger, Bergfried und dieWirtschaftsgebäude.

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1910 erwarb Ernst Gütschow  die Burg und baute sie im Stil der Neogotik um.  Im Barockgarten ließ er eine Kopie der Fechter errichten, nach dem Vorbild der Skulptur vor der Breslauer Universität. Erinnern Sie sich an meinen früheren Beitrag darüber? Den Garten schmücken auch viele anderen Skulpturen. Er ist ein schöner Platz zum verweilen.

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Die interessanteste Räumlichkeit in der Burg ist der zweigeschossige Rittersaal.

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Auf der Auf der Erdgeschossebene befinden sich Renaissance-Portale und ein weißer Kamin im neugotischen Stil.

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Sehenswert ist auch das Mondzimmer (Komnata Księżycowa) im spätgotischen Stil und das Schlafzimmer mit einem Traumbett. Unterm Bett befindet sich eine Klappe. Mit ihrer Hilfe wurden störrische Ehefrauen in einen unterirdisches Kerker befördert.

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In der Burg gibt es auch eine Bibliothek im Stil der Tudor-Gotik mit geheimen Türen.

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Wenn die Tür zu ist, ist es fast unmöglich sie ausfindig zu machen!

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Nach dem Kriegsende 1945 war die Burg herrenlos und erlitt große Schäden durch Plünderungen. Fast die gesamte Büchersammlung wurde gestohlen, wie auch viele Möbel und alles, was man tragen konnte. Um einen guter Eindruck zu machen, hat man Spendenbücher in den Regalen untergebracht.

Seit 1952 diente die Burg als Freizeitzentrum für Militärangehörige und seit 1996 beherbergt sie ein Restaurant und ein Hotel. Alle Zimmer in der Burg sind mit klassischen Möbeln und antikem Zubehör eingerichtet. Sie verfügen über ein eigenes oder ein Gemeinschaftsbad. Trotzdem muss man auf die modernen Annehmlichkeiten nicht verzichten. Alle Zimmer sind mit TV und WLAN ausgerichtet.

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Es ist ein Erlebnis auf der Burg aus dem 13. Jahrhundert übernachten zu dürfen. Man kann auch das prachtvolle Bett für eine Hochzeitsnacht mieten! Ob die Klappe noch funktioniert ist mir nicht bekannt 😉

Aber bevor man ins Bett geht, lauscht man Kammermusikkonzerten zu, nimmt an Ritterturnieren teil, übt man sich im Bogenschießen oder alten Tänzen… oder schaut in den Abgrund. Im Burghof steht nämlich ein Brunnen der treulosen Ehefrauen im Renaissance-Stil.

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Wer mit einer treulosen Ehefrau gesegnet ist und hineinschaut, verliert in den nächsten 24 Stunden seine Haare. Ich habe in der Umgebung der Burg nicht sehr viele haarlose Männer gesehen.

Nicht nur die Burg, sondern auch ihre Umgebung ist sehenswert.

Von dem Granithügel, auf dem die Burg steht, hat man einen prächtigen Blick auf den Leśniańskie-See, ein Naherholungsgebiet der Region. Man kann dort Kanu fahren, schwimmen oder am Ufer faulenzen.

Und nächstes Mal fahren wir nach Krummhübel (Karpacz) in das Riesengebirge.

Also bis bald 🙂

Urlaub in Polen

Es ist Sommer! Ja, ich weiß, dass ich kein Amerika entdeckt habe … Ich hatte aber die Möglichkeit gehabt, den Sommer ein bisschen früher und länger zu genießen.
Ich besuchte Polen und während Deutschland und halb Westeuropa vom Dauerregen berieselt wurde, genoss ich dort das karibische Wetter 🙂

Während meines Aufenthalts in Polen bin ich viel gereist und habe alles fotografiert, was mir interessant vorkam. Hier und jetzt möchte ich meine Eindrücke von der Reise mit Ihnen teilen. Vielleicht bekommen Sie so einige Anregung für Ihre Urlaubszeit.

Meine erste Station war Lubań, gleich hinter der Grenze, 24 Kilommeter von Görlitz entfernt. Ein kleines verschlafenes Städtchen am Ufer der Queis (Kwisa).

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Die Stadt wurde 1220 gegründet. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht: Eine Pfarrkirche der Hl. Dreifaltigkeit aus dem Jahr 1320,  eine evangelische Kirche von 1384 und das Renaissance-Rathaus, das von 1539 bis 1544 erbaut wurde,. Außerdem ein paar Türme, ein Stück Stadtmauer und eine kleine Tafel mit Muschelsymbolen, die den Jakobsweg markiert, der durch Lubań verläuft.  Die Stadt ist nicht mal schön, doch für viele Deutsche aus der Grenzregion dennoch sehr interessant. Im Stadtkern findet man unzählige Geschäfte mit Kleidung und Schuhen in guter Qualität und märchenhaft niedrigen Preisen. Rund um die Stadt stehen die modernen Einkaufs-Tempel! Hier schlägt das Konsumentenherz sehr hoch! Man findet hier neben dem Netto,  mit deutschen und polnischen Waren …

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… auch einen Intermarche mit polnischen und französischen Spezialitäten.

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Kaufland, Aldi und Lidl, die spanische  Einkaufskette “Biedronka” – Maikäfer und polnischen Läden gibt’s ebenfalls.

Und wenn Sie vom Einkaufen müde geworden sind finden Sie in Lubań schöne und preiswerte Speiselokale.

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Die Stadt ist nicht nur zum Einkaufen gut. Es ist auch ein guter Ausgangspunkt für viele Ausflüge in die Region. Gleich in der Nähe steht die Burg Tzschocha  (Zamek Czocha).

Wie die Burg aussieht  erzähle ich Ihnen das nächste Mal.
Also bis bald.

Breslauer Zwerge

Hallo! Haben Sie dieses Jahr Fasching ausgiebig gefeiert? Vielleicht sogar in Breslau! Waren Sie auch lange auf den Straßen unterwegs? Ist Ihnen dabei etwas aufgefallen oder sind Sie sogar darüber gestolpert?

Ja, man kann sie überalt treffen: an den Häusern, in Erkern, mitten auf dem Gehweg oder sogar auf der Straße. Wissen Sie nicht, worüber ich spreche?

4 Papa ZwergIch möchte Ihnen heute etwas über die Zwerge, auf Polnisch “Krasnale” erzählen. Sie bevölkern die gesammte Stadt und werden immer mehr. In Kürze knacken sie vielleicht die 300 Marke!

Alles begann in den Achzigern des XX Jahrhunderts und hatte einen politischen Hintergrund. Damals entstanden auf den Mauern Bilder von lustigen Zwergen. Lachende Krasnale mit orangenen Mützen und Blumen in den Händen waren eine Erfindung der Oppositionsbewegung “Orange Alternative” (Pomarańczowa Alternatywa). Mit Hilfe von Zwergen und Humor wollte man ein unsinniges, kommunistisches Zeitalter bekämpfen.

Es blieb nicht nur bei den Wandbildern. Immer wieder wurden spontane Aktionen und Veranstaltungen organisiert. Die Menschen trugen dabei Zwergenkostüme und stellten auch den ersten, gusseisernen Zwerg in der Altstadt auf – den Papa Zwerg

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Nach und nach kamen die Anderen dazu.

Sehr bekannt sind die Sisyphus-Zwerge auf der Świdnicka Strasse.

Und wenn Sie am Rynek eine Postkarte an die Daheimgebliebenen schicken möchten, begegnen Sie einem Post-Zwerg (Krasnal pocztowy).

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Alle in Wrocław ankommenden Gäste “begrüßt” ein Bahnhofs-Zwerg (Krasnal dworcowy)…

1.Krasnal dworcowy

… und Unterwegs begenet man einem Touristen-Zwerg (Turysta) …

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… oder einem Musiker (Muzyk)

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Manche von ihnen ruhen sich aus oder lesen ….

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Andere wiederum müssen die ganze Zeit arbeiten …

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Es gibt Zwerge aus dem “Mittelalter”, wie der Giermek Grun-Waldek. Ob er bei der Schlacht von Grunwald dabei war, weiß man nicht so genau. Mit seinem Riesenschwert soll er aber angsteinflößend aussehen!

Giermek Grun-Waldek

Es gibt aber auch moderne Ausführungen, wie der Taucher (Bąbelek Chlapuś) in einem Einkaufszentrum:

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Die Namen der Zwerge sind Programm: Bąbelek bedeutet Bläschen und chlapać bedeutet plätschern. Also ist ein „Bąbelek Chlapuś“ ein plätscherndes Bläschen 😉

Betreuer und Zwerglein

Immer mehr Firmen und Einrichtungen stellen vor ihren Toren Zwerge auf, in der Hoffnung, mehr Besucher zu bekommen. So stellte auch ein Mutter-Kind- Krankenhaus einen “Betreuer und Zwerglein” auf eine Mauer. Ob aber in diesem Krankenhaus mehr Kinder auf die Welt kommen, ist nicht bekannt!

Die Krasnale haben ihre eigene Webseite in vier Sprachen (www.krasnale.pl ). Dort kann man alles über die lustigen Wichtel nachlesen. Sie alle sind mit Namen und Bild dokumentiert. Es gibt auch eine Strassenkarte für “faule” Touristen, die nicht selber suchen wollen und man sollte es schon tun.

Die Krasnale sind nämlich sehr bedeutend. Sie werden sogar in Wikipedia beschrieben.

Einmal im Jahr, im September, veranstalten die Breslauer ein Zwergen-Fesival (Festiwal Krasnoludków). Es ist wahrlich eine bunte Märchen-Veranstaltung – ein paar Tage ausgelassenes Treiben in lustigen Zwergen-Kostiumen für Groß und Klein.

Die Krasnale sind inzwischen ein zweites Wahrzeichen von WrocLove geworden!

Begeben Sie sich auch auf die Suche und später erzählen Sie mir etwas davon.

Also viel Spass und bis bald.

Europas Kulturhauptstadt

Dieses Jahr ist Breslau Europas Kulturhauptstadt. Vielleicht haben Sie ja im Fernsehen die Eröffnungsfeierlichkeiten gesehen? Auch das Deutsche Fernsehen berichtete davon.

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Breslau oder Wrocław – die Stadt hat sich diese Auszeichnung redlich verdient. Sie ist eine der wenigen Städte Polens, die jung, sehr offen und vorurteilsfrei ist. Es ist auch kein Wunder. Nur wenige ältere Breslauer können sagen: „Ich bin von hier“. Die Mehrzahl von ihnen ist „zugereist“.

Nach dem II Weltkrieg wurde fast die gesamte Bevölkerung der Stadt vertrieben. Die Neuen kamen aus Zentralpolen, viele auch aus Lemberg, der heutigen Ukraine. Als „Vertriebene“ mussten sie erst einmal lernen, zusammenzuwachsen. Das war nur mit viel Respekt, Toleranz und Offenheit möglich.

 Breslau war vor dem Krieg ein wichtiges jüdisches Zentrum in Europa. Hier lebten über 25.000 Juden, unter ihnen viele bekannte Künstler, Politiker und Wissenschaftler.

Die Stadt stellte sich schon immer der ganzen Geschichte, auch der Jüdischen.

Auf dem, schon im Sozialismus restaurierten, jüdischen Friedhof, finden wir z.B. die Grabstätte der Legende der deutschen Sozialdemokratie – Ferdinand Lassalle.

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Eine der schönsten Synagogen in Polen wurde vor kurzem saniert und zum Leben erweckt. Die alte Synagoge „Pod Białym Bocianem“ (zum Weißen Storch), versteckt in einem Innenhof der Włodkowica-Strasse 7, entwickelte sich zu einem Zentrum der Jüdischen Kultur.

„Wo die Liebe hinfällt?“ Eine jüdisch-norwegischen Künstlerin, Bente Kahan, erlebte sie in Wrocław. Sie folgte ihrem polnischen Mann hierher und verliebte sich auch in die Stadt. Die fast 800 Jahre jüdischer Kulturgeschichte in Breslau, faszinierte sie. Es blieb aber nicht bei Faszination allein.

Ihrem Engagement und ihrer Durchsetzungskraft verdanken die Breslauer diesen Komplex.

In wunderschön restaurierten Räumen gibt es Ausstellungen aus den goldenen Zeiten der Haaskala aus dem 18. Jahrhundert, wie auch von der Vertreibung der Juden durch die Kommunisten in den 60gern des 20. Jahrhunderts.

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In den Sommermonaten finden hier interessante Konzerte mit Werken bekannter jüdischer Musiker statt. Bente Kahan hat hier auch gesungen. Das Interesse an solchen Veranstaltungen sieht man an der Schlange vor dem Eingang.

Aber keine Angst, alle finden hier ihren Platz. Im Saal und auf den Emporen können mehrere hundert Musikliebhaber den jüdischen Tönen lauschen.

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Ebenso werden in den Räumen viele Workshops, Seminare und Vorträge angeboten.

Auf dem Hof der Synagogen ist ein beliebtes Café. Man kann hier, abgeschirmt von dem Lärm der Stadt, bis tief in die Nacht hinein sitzen und klönen.

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Nicht nur der Hof, die ganze Włodkowica-Straße ist zu einer beliebten Ausgehadresse geworden. Zahlreiche Szenenkneipen und Restaurants laden entlang der Straße zum Verweilen ein.

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Einige der Lokale bieten nach der jüdischen Tradition koschere Speisen und Getränke an. Schauen Sie sich um, probieren sie alles, es lohnt sich.

Also Guten Appetit und bis bald. 🙂

Europas Kulturhauptstadt 2016

 

Es ist soweit! Nicht nur alle Spatzen pfeifen es von den Dächern … in Wrocław steht es auch überall geschrieben: auf Plakaten, Straßenbahnen …

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Wrocław ist Europas Kulturhauptsadt 2016 und das Programm ist sehr interessant und vielseitig.

Kein Wunder – einer der acht Kuratoren, die dafür verantwortlich sind, ist der britische Regisseur Chris Baldwin. In der Stadt der Brücken will er Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sowie zwischen den Nationen bauen.

Die Eröffnungsveranstaltung heißt “The spirits of Wroclaw”. Vier 12 Meter hohe Gestalten bewegen sich aus verschiedenen Richtungen der Stadt aufeinander zu. Erst, wenn sie auf dem Marktplatz zusammen kommen, wird erkennbar sein, was sie darstellen.

Breslau ist die Stadt des Wassers und ein Projekte heißt auch “Fluss”. Im Sommer wird an den Ufern der Oder und auch auf dem Wasser die Geschichte der Stadt präsentiert.

366.StadionDie Abschlußveranstaltung heißt “Sky Web” und findet in einem neuen Fußballstadion statt.

Chris Baldwin will hier durch Theater, Akrobatik und Musik ein bisschen in die Zukunft der Stadt schauen.

Für das Musikprogramm ist Dr. Hab. Agnieszka Franków- Żelazny verantwortlich. Sie ist Dirigentin, Musikerin, Biologin und Künstlerische Direktorrin des Chors des Polnischen Rundfunks. Ihr Projekt “Singing Europe” soll junge europäische Musiker aus verschiedenen Stilrichtungen zusammen bringen und damit die Bevölkerung zum singen animieren.

Einen wirkungsvollen Ort für ihre Projekte hat sie schon.

Forum muzykiIm September 2015 wurde in der Stadt an der Oder ein Nationales Musikforum (Narodowe Forum Muzyki) eröffnet.

Das Gebäude steht am Plac Wolności (Freiheitsplatz) und hat 110 Millionen Euro gekostet. Außen ist es mit edlem Holz verkleidet, innen dehen Sie schwarze Corian-Acrylstein-Wände und weiße Balkone, wie bei einer Klaviertastatur.

Der Haupt-Konzertsaal ist mit 1.820 Plätzen der größte in Polen. Es gibt noch weitere Säle, die zusätzlich 1.000 Musikfans aufnehmen können. Der tiefste Punkt im Hauptsaal liegt 19 Meter unter der Erde.

Für die Akustik sorgten die weltweit besten Spezialisten – die amerikanische Firma Artec. Das Gebäude steht auf Luftkissen und das Box-in-box-System schirmt alle Außengeräusche und Erschütterungen ab. Die Decken und Wände kann man, je nach Bedarf, verschieben und absinken lassen,. Die Akustik soll sensationell sein. Von so einem Saal können unsere deutschen Nachbarn nur träumen.

Das Musikforum stellt einen würdigen Rahmen für die Künstler. Am 16 Februar soll hier der chinesische Pianist Lang Lang gastieren, dann im Mai das London Symphony Orchestra und danach die Wiener Philharmoniker.

Auch die große Gala zur Verleihung des Europäischen Filmpreises im Dezember findet hier statt.

Ich bin schon gespannt auf das Echo und nächstes Mal erzähle ich weiter über Wichtiges und Interessantes in meiner Stadt.

Also bis bald 🙂

Europas Kulturhauptstadt 2016

DSC04579Hallo und herzlich Willkommen auf meiner Seite.

Ich hoffe, Sie hatten schöne, harmonische Weihnachtstage und sind gut ins Neue Jahr gestartet?

Haben Sie auch für das Jahr 2016 einige gute Vorsätze gefasst?

Ich schon! Ich möchte die paar Pfunde los werden, die ich mir in Wrocław bei Mama angefuttert habe und ich möchte im Sommer noch mal nach WrocLove fahren – in meine Heimatstadt – wie sie so liebevoll von ihren Einwohnern genannt wird.

Seit dem 01.01.2016 ist Breslau Europas Kulturhauptstadt und das Program kann sich sehen lassen! Ich werde auf dieser Seite davon berichten und Ihnen auch weiterhin die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen.

Heute aber möchte ich noch kurz die Weihnachtstage in Erinnerung bringen.

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Der Weihnachtsmarkt in Polen existiert nicht mal 10 Jahre. Während des Sozialismus wurde Weihnachten sehr christlich gefeiert. Die Adventzeit ist in der katholischen Kirche eigentlich Fastenzeit. Die Polen sind aber sehr flexibel. So können sie Komerz und Religion gut miteinander verbinden.

Der Weihnachtsmarkt in Wrocław beschränkt sich nicht nur auf den Marktplatz. Auch auf der Świdnicka-Strasse stehen schön geschmückte Holzbuden mit Leckereien aus Polen und der Welt.

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Die polnischen Würste schmecken nicht nur sehr gut, sie sind auch mit wenigen oder ganz ohne chemische Zusatzstoffe hergestellt.

Natürlich darf der Weihnachtsschmuck nicht fehlen. Überall funkeln die Lichter und es duftet nach Tannen, Zimt, Vanille…

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In der Holzpyramide vor dem Rathaus wird schön verzierter Breslauer Lebkuchen (Pierniki Wrocławskie) verkauft. Der Glühwein kommt meistens aus Deutschland. Es gibt aber auch „Wrocławski” (Breslauer) Glühwein. Er ist lecker und sehr süß.

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Die Attraktionen für die Kinder dürfen auf dem Markt natürlich nicht fehlen genauso wie Rudolf, der ein ein beliebtes Fotomotiv ist.

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Wie jedes Jahr schmück den Marktplatz eine Riesentanne. Und jedes Jahr hat sie ein anderes Kleid! Diesmal sind es die funkelnden Sterne …

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Es war schön über den Marktplatz und den Weihnachtsmarkt zu schlendern, die Leckereien herzhaft und süß zu probieren und die Atmosphäre zu genießen.

Falls man Heimweh nach Deutschland bekommen sollte, geht man am besten ins Kaufland. In allen deutschen Einkaufsketten in Polen werden rund um die Uhr deutsche Weihnachtslieder gespielt!

Na dann: Oh du Fröhliche … und bis bald 😉

13. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Hallo, haben Sie in der Breslauer Markthalle oder in den Galerien gut eingekauft? Wenn ja, sind dann die „niederen“ Bedürfnisse jetzt befriedigt? OK, kümmern wir uns um andere Bedürfnisse 😉 In Wrocław hat man viele Möglichkeiten dazu. Nicht umsonst wurde die Stadt zur Kulturhauptstadt Europas 2016 erkoren.

Es gibt hier zahlreiche Museen und Kunstgalerien: Historisches, Archäologisches, Militärmuseum, Museum für Medaillen-, Bürgerliche-, Post- oder Friedhofskunst, Museum der Erzdiözese, und, und, und … Ich könnte noch weiter aufzählen, aber ich werde mich nur auf einige wenigen beschränken.

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Die erste Adresse ist das Nationalmuseum (Muzeum Narodowe).

Schon das Gebäude ist sehr interessant. Es ist ein, im Stil der Neorenaissance gebautes, königliches Regierungsgebäude. Im 19. Jahrhundert hat man es zum Museum umfunktioniert und so blieb es bis in die heutige Zeit.

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Nach dem Krieg brachte man hier die polnischen Kunstgegenstände aus Lemberg unter. Der Schwerpunkt liegt auf der Kunst aus Polen und Schlesien, vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Zu sehen sind hier über 120.000 verschiedene Objekte. Sehr bedeutend sind die Arbeiten der polnischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Im Museum finden auch ab und zu Schulungen, Filmvorstellungen, Ausstellungen oder Konzerte statt.

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Zum Nationalmuseum gehört eine Zweigstelle – das Panorama von Racławice. Nur an wenigen Orten der Welt kann man noch Panoramen anschauen und glücklicherweise gehört Wrocław dazu! Das Rundgemälde von Wojciech Kossak und Jan Styk ist 15 x 114 m groß und zeichnet sich durch sein hohes künstlerisches Niveau aus. Um so ein Gemälde überhaupt ausstellen zu können, wurde extra dafür ein Pavillon gebaut.

Das Gemälde dokumentiert den Sieg der polnischen Armee über die russischen Truppen im Jahre 1794. Vom militärischen Standpunkt aus hatte diese Schlacht keine große Bedeutung, trotzdem errang sie einen nicht geringeren Ruhm als Grunwald oder bei Wien 1673 gegen die Osmanen. Es war kein militärischer, sondern ein moralischer Sieg.

Bei Racławice traten zum ersten Mal in Polens Geschichte die Bauern zum Kampf um ihr Land an. Sie waren bis dahin nicht als Teil des Volkes betrachtet worden. Der Feldherr, der Bauer Tadeusz Kościuszko, war der beliebteste Nationalheld unter allen Größen Polens. Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Ehrenbürger des revolutionären Frankreichs, war er schon zu Lebzeiten eine Legende.

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Auf der Wand des Museums sieht man eine Werbetafel mit einem kleinen Ausschnitt des Panoramas.

Dieser Ausschnitt zeigt Tadeusz Kościuszko auf dem Pferd sitzend, wie er die zweite Kolonne der Sensenmänner (Kosynierzy) zum Kampf gegen die Truppen der Zarin Katharina II führte.

Bei der Betrachtung dieses Panoramas kommt es zu einer optischen Täuschung. Dank der speziellen Beleuchtung, verdunkelten und verwinkeltem Zugang und künstlich angelegtem Terrain fühlt man sich in eine andere Zeit und Realität versetzt. Die bekanntesten Besucher hier waren Papst Johannes Paul II und Königin Beatrix von Holland.

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Die nächste Adresse ist das Breslauer Stadtschloss. Hier ist das Stadtmuseum (Muzeum Miejskie) untergebracht.

Der älteste Teil, erbaut 1719, war die Residenz des bischöflichen Hofkanzlers. 1750 wurde das Palais von König Friedrich II erworben, umgebaut, erweitert und viele Jahre als die Breslauer Residenz der preußischen Hohenzollern benutzt.

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Von hier aus rief König Friedrich Wilhelm III zum Kampf gegen Napoleon auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg riss man die stark beschädigten Teile des Schlosses ab. Nur der Mittelteil wurde aufwendig restauriert.

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Hier kann man sechs einstige Staatsgemächer sowie den barocken Schlossgarten bestaunen. In den Räumen finden verschiedene Ausstellungen statt. Besonders interessant sind die Bilder der gesamten Brueghel Familie.

Eine ganz andere und interessante Entwicklung machte ein überirdischer Schutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg – zuerst Kriegslazarett, dann Lagerhaus zum Museum für neuzeitliche Kunst (Muzeum Współczesne).

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Gleich am Eingang werden die Besucher mit Riesenbuchstaben „begrüßt“: „było, jest, będzie” – „es war, ist, es wird”.

Innen finden verschiedene Ausstellungen der Moderne statt und ganz oben lädt eine Aussichtsplattform mit Café zum Verweilen ein.

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Interessieren Sie sich für Mumien, Tafeln mit Keilschrift oder Öllampen? Dazu müssen Sie nicht unbedingt nach Ägypten reisen. Das Museum der Erzdiözese in Breslau besteht seit 1889 und bewahrt solche antiken Seltenheiten ebenso auf wie alte Gewänder aus dem 14. bis 19. Jahrhundert und Malereien und Skulpturen. Neben der ständigen Ausstellung finden hier auch unterschiedliche, wechselnde Ausstellungen statt. Es ist immer gut sich zu informieren, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Nicht nur in den Museen von Wrocław entdeckt man die Spuren der Geschichte. Überall in den Straßen und Gassen gibt es kleine Skulpturen oder nette Kunstgalerien, die besichtigt sein wollen.

Ich lasse Sie wieder alleine durch die Museen ziehen. Wünsche viel Spaß dabei und wenn Sie Fragen haben, setzen Sie sich mit mir in Verbindung .

Bis Bald 🙂

12. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Hallo! Hat Ihnen die Jahrhunderthalle und der Park gefallen? Breslauer verbringen hier viel Zeit mit Feiern oder neumodernem chillen. Den Rest der Zeit, die ihnen verbleibt, verteilen sie auf die Arbeit, das Essen und auf Shopping. Ich könnte behaupten, Einkaufen ist für die Polen ein Nationalsport und in Breslau gibt es dazu viele Möglichkeiten. Die beliebtesten sind die riesigen Shopping Center, die so genannten Galerien. Es gibt in der Stadt mehr davon als in Warschau.

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Es gibt dort nichts, was es nicht gibt! Man findet nebeneinander sowohl die internationalen Marken von Joop bis Decathlon, von Nike bis Deichmann, wie auch einheimische Produktionen.

 

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Ladenöffnungsgesetze kennen die Polen nicht. Es gibt keine festen Regelungen. Je nach Branche sind die Öffnungszeiten sehr unterschiedlich. Die Galerien sind meistens von 9.00 – 22.00 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen. Dann aber von 10.00 – 20.00 Uhr.

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So leer ist es hier nur kurz nach 9.00 Uhr! Also eine gute Zeit, um Bilder zu machen. Danach wird es turbulent.

Man kommt hierher nicht nur um einzukaufen. Die jungen Leute flanieren durch die langen Gänge oder man trifft sich mit Freunden auf einen Plausch in einem der vielen Cafés oder Bars. Bei freiem WiFi kann man mit der ganzen Welt chatten.

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Die Räume sind gut klimatisiert. In jeder Galerie befindet sich eine Garderobe. Dort gibt man seine Oberbekleidung und große Taschen ab, um den ganzen Tag ohne Ballast zu verbringen. Vor allem in den Wintermonaten wird es hier interessant. Ab November dauert der Tag in Wrocław nicht lange. Schon nach 15.00 Uhr wird es langsam dunkel und unangenehm kalt. Da sind die hell erleuchteten und warmen Räume eine Wohltat für die winterdepressive polnische Seele. Eine der neuesten breslauer Errungenschaften ist der Sky Tower, übrigens das höchste Gebäude in Polen. Mit seinen über 200 m ein riesen Büro und Einkaufskomplex.

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Schon die Skulptur von Salvador Dali am Eingang zeigt, dass die Zeit dort drin nur so zerrinnen kann.

Ganz oben befindet sich eine Aussichtsplattform. Zu jeder vollen und halben Stunde kann man von oben die Stadt bestaunen.

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 Und bei kleinem Hunger hilft bestimmt Coś Dobrego (etwas Leckeres).

Es gibt in Wrocław nicht nur supermoderne Einkaufscenter. Ein Muss ist die Markthalle (Hala Targowa). Gebaut wurde sie zwischen 1906 – 1908.

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Es ist eine im Jugendstill errichtete parabolische Stahlbetonkonstruktion. Zur damaligen Zeit die erste und größte Halle in Europa. Sie ist eine interessante Mischung: innen Jugendstill und außen, im krassen Gegensatz, Neugotik!

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Und innen sollte man nicht nur den Jugendstil bewundern. Die Auslagen sind überwältigend! Hier findet man Obst, Gemüse und Fleisch von Bauern aus der Region. Alles frisch und lecker. Ebenso findet man Blumenstände, gesundes, vollwertiges Essen, Bioprodukte und Raritäten aus der ganzen Welt.

Oben auf der Galerie befinden sich kleine Läden mit Haushaltsartikeln, Bekleidung, Schuhen wie auch kleine Dienstleistungsanbieter: Schlüsseldienste, Schuhreparatur und vieles mehr. Auch hier kann man viel Zeit verbringen.

Gleich hinter der Halle stehen noch die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit einer Ziegelbastei aus dem 14. Jh. Die Mauer markierte damals die östliche Stadtgrenze.

Ich lasse Sie wieder alleine stöbern und die Atmosphäre der Halle genießen. Bis bald 🙂

11. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Hallo, da bin ich wieder. Ich habe Sie schon vermisst. Mittlerweile ist auch in Wrocław der Winter angekommen. Auf den Straßen liegt jetzt eine dünne Schneedecke. Wie schön, dass wir bei unserem virtuellen Spaziergang nicht frieren werden! Auf diese Weise können wir den Sommer noch ein bisschen verlängern. Also schauen wir uns jetzt das Wahrzeichen von Wrocław an.

DSC03478Und das ist zum Teil die Jahrhunderthalle (Hala Stulecia). Sie wurde 1913 fertiggestellt und war in den damaligen Zeiten ein Meisterwerk der Baukunst. Die Kuppel hat eine freie Spannweite von 65 m Durchmesser und ist größer als ihr Vorbild – das Pantheon in Rom. Diese Kuppel war im damaligen Deutschland die größte dieser Art. Das ganze Gelände besteht aus dem Vier-Kuppel-Pavillon, einem flachen See und der Pergola, die wunderschön in den Park hinein komponiert ist.

DSC03482Auf dem ganzen Gelände und in der Halle fanden vom 20. Mai bis 26.Oktober 1913 viele Veranstaltungen zur Erinnerung an die preußischen Befreiungskriege gegen Napoleon statt. Dieses Datum wurde ganz geschickt gewählt. Genau vor 100 Jahren hatte der König Friedrich Wilhelm der III einen Aufruf „ An Mein Volk“ hier in Breslau herausgebracht. Also hundertjähriges Jubiläum, Jahrhundertausstellung, Jahrhunderthalle. Die Stadtoberhäupte wollten sich beim Kaiser beliebt machen und hofften auf seine finanzielle Unterstützung. Aber der Kaiser schickte zur Eröffnung nur den Kronprinzen mit leeren Taschen hin und die Stadtherren blieben auf den enormen Kosten alleine sitzen.

Der Kaiser hatte schon einiges verpasst. Bei der Einweihung der Halle spielte die größte Orgel der damaligen Welt. Sie hatte 15.133 Pfeifen und 200 Register. Zu dieser Feier hatte Max Reger das monumentale Stück „Introduktion“ komponiert. Das musste ein Erlebnis gewesen sein! Nach dem Krieg hat man aus dieser Orgel drei neue gemacht. Ein Teil davon bildet die heutige Domorgel – die größte in Polen. Diese Orgel haben wir schon bei der Dombesichtigung gesehen.

DSC034741948 stellte man vor der Halle eine 100 m hohe Nadel auf – eine Iglica (igliza). Zusammen mit der Halle bilden sie das Wahrzeichen vom heutigen Wrocław und wurden 2006 zum UNESCO – Weltkulturerbe erklärt.

Das ganze Gelände ist heute ein Teil der Breslauer Messe. Hier finden Sport- und Kulturveranstaltungen statt.

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Die Halle hat eine versenkbare Bühne, 6000 Sitzplätze und zusammen mit Stehplätzen kann sie 20.000 Besucher aufnehmen! Weltbekannt sind hier die Opernaufführungen, wie die moderne Carmen.

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Die Einwohner von Wrocław lieben die Halle und ihre Umgebung. Sie verbringen hier sehr viel Zeit. In den heißen Monaten sorgt tagsüber der Multimediale Springbrunnen bei der Pergola für Abkühlung. Zu jeder vollen Stunde genießt man schöne Wasserspiele mit Musik.

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Und abends kann man Musik-Licht-Specktakel bewundern. In einem 1ha großen See wurden 300 Wasserdüsen und 3 Feuerdüsen installiert. Die Fontäne erleuchten ca. 800 Lichtquellen. Das Wasser erreicht 40 Meter Höhe und bildet 700 m² als Nebelleinwand für einzigartige Lasershows mit Musik. Der Brunnen ist der größter in Polen, einer der größten in Europa und einzigartig in der Welt! Die Spektakel können Sie sich auch auf YouTube anschauen. (Fontanna Multimedialna Wrocław)

41. Lauf

Im Winter entsteht hier ein Paradies für Schlittschuhläufer. Es gibt aber noch mehr zum Staunen.

 

 

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Auf der anderen Straßenseite befindet sich der Breslauer ZOO. Er wurde aufwendig mit neuem Afrikanium und super Aquarium restauriert und ausgebaut. Also unbedingt anschauen.

 

 

Ich lasse Sie dabei in Ruhe und komme bald wieder. Viel Spaß! 🙂

10. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Hallo, da bin ich wieder 🙂 Sind Sie bereit, weiter durch Wrocław zu gehen? Nach so viel Kultur und Architektur haben Sie ein bisschen Erholung im Grünen verdient. Breslau hat die meisten Grünanlagen in Polen, jeder Einwohner ca. 25 m². Nun ja, der Einwohner hat diese Flächen nicht für sich privat, Gott sei Dank, wir dürfen uns alle an ihnen erfreuen. Und so gehen wir jetzt in den Park Szczytnicki (park sch-tschitnizki) – das ist ein Wort! Echt Polnisch. Bis wir dahin kommen, üben wir ein bisschen die Aussprache. 😉

204.JaDie Parkanlagen sind schon gewaltig. Die Gesamtfläche beträgt über 130 Hektar. Schauen wir uns diese mal näher an!

Der Name des Parks kommt von einem Stadtteil Wrocław- Szczytniki. Die Mickiewicz-Straße teilt den Park in zwei Hälften. Der im Norden liegende Abschnitt ist älter und gehörte seit 1785 zu der Residenz von Fürst Friedrich Ludwig von Hohenlohe-Ingelfingen.

Ja, man fühlt sich hier schon wie in einem fürstlichen Paradies mitten in der Großstadt.

Im Park findet man über 50 einheimische Baumgattungen sowie über 320 Baumarten aus Europa, Asien und Nordamerika. Die Sträucher wurden nicht mitgezählt!

013Die Napoleonischen Kriege um 1806 taten dem Park nicht gut. Er wurde sehr stark verwüstet. Als die Stadt die Anlagen 1865 erwarb, vergrößerte sie diese in Richtung Süden zu einem englischen Landschaftspark.

DSC07076Von 1909 bis 1912 wurde hier, anlässlich der Jahrhundertausstellung, ein japanischer Garten angelegt. Leider verfiel er mit der Zeit. 1995 wurde er mit Hilfe der Japanischen Botschaft wieder auf Vordermann gebracht.

126Das Oderhochwasser 1997 beschädigte den Garten sehr stark. Die Breslauer bauten ihn 1999 wieder liebevoll auf. Man wollte so eine schöne Anlage nicht verkommen lassen. Vor allem nicht, wenn sie Hakkoen heißt – “Weiß-Rot” – wie die Polnische Flagge! Weil der Wiederaufbau sehr teuer war, bezahlt man jetzt für den Eintritt einen kleinen Obolus. Aber es ist ein gut ausgegebenes Geld. Die Anlage ist sehr schön, wie eine Blumenoase in der Grünoase des Parks.

503.JapanEine weitere Attraktion des Parks ist eine Holzkirche aus dem 17. Jahrhundert, die ursprünglich im oberschlesischen Cosel (Koźle) stand. Sie wurde ohne Nägel gebaut. Man kann sie auch innen besichtigen. Sehr oft finden dort kleine Kunst-Ausstellungen statt.

111.KircheAn der Grenze zum Szczytnicki-Park steht die Jahrhunderthalle (Hala Stulecia) früher Hala Ludowa (Volkshalle) genannt.

DSC03503Aber bevor wir uns wieder ein Gebäude anschauen, genießen Sie noch die Ruhe des Parks und der Natur. Ich hole Sie bald wieder ab. Und wenn Sie in dieser Zeit den Namen des Parks üben wollen, helfe ich Ihnen nachher sehr gerne dabei.  Siehe auch  meine Angebote

9. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Haben Sie sich die Tumskibrücke jetzt genau angeschaut? Die Konsruktion aus genietetem Stahl und Stein wurde in den Jahren 1888 bis 1892 errichtet. Auf den beiden Seiten sehen Sie die Statuen der Heiligen Hedwig und Johannes des Täufers. Sie scheinen den Zugang zur Insel zu bewachen. Und es gibt dort vieles zu bewachen! Auf dieser Brücke stiegen früher die Kaiser vom Pferd, um zu Fuß in die Kathedrale zu gehen. Wir werden uns auch auf den Weg dorthin machen.

wroclaw-577498_1280In dem Moment, in dem wir die Dombrücke überqueren, verlassen wir die fein herausgeputzten Gassen der Altstadt. Während dort zwischen dem Marktplatz und der Universität das Leben pulsiert, die Stadt nie schläft, befindet sich hinter der Brücke eine Oase der Ruhe.

 

Hier hat die Geschichte Wrocławs angefangen. Schon im 7. Jahrhundert ließen sich die ersten slawischen Siedler, die Schlesier, auf der Insel nieder. Durch die Oder umrandet, bot sie einen guten Schutz für eine Siedlung. Im Jahre 1000 gründete hier König Bolesław Chrobry (der Tapfere) ein Bistum mit Bischofssitz. Er entschloss sich auch dazu, auf der Insel einen Dom zu bauen. So entstand auch der Name der Insel – Dominsel, auf altpolnisch Ostrów Tumski.

213.KatedraDer Breslauer Dom, die Kathedrale St. Johannes des Täufers (Katedra św. Jana Chrzciciela) wurde in den Jahren 1241 – 1341 im gotischen Still erbaut. Wie jede andere Kirche auch, wurde der Dom mehrmals ausgebaut, umgebaut, niedergebrannt oder zerbombt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zu 70% zerstört, wurde er mit viel Liebe und Aufopferung, wieder aufgebaut. Er ist ein Kulturdenkmal der „0“-Klasse. Seine Silhouette mit zwei knapp 98 Meter hohen, unterschiedlichen Türmen ist ein beliebtes Fotomotiv und eines der Wahrzeichen Wrocławs. Wenn Sie Lust bekommen, nach oben zu steigen, dann wird Sie ein Aufzug ganz schnell dorthin bringen. Von den Türmen aus haben Sie einen fantastischen Blick über die Stadt.

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Der Eingang zum Dom bildet ein Steinportal aus der Renaissance mit Alabasterrelief, das den polnischen Bischof Nanker darstellt. Kommen Sie bitte hinein.

219.InnenInnen sehen Sie die Barockkanzel aus Alabaster, der Dreiflügel-Altar von 1522 mit vielen alten Bildern. Ich könnte Ihnen die Meister, die hier gewirkt haben, oder die Bau-Daten aufzählen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass man so etwas schnell vergisst. Schauen Sie sich am besten selber um. Genießen Sie die einmalige Atmosphäre, zünden Sie eine Kerze an, hören Sie den größten Orgeln Polens zu. Sie haben 5 Manuale, 136 Register und über 10 Tausend Pfeifen! Die Orgel-Konzerte im Dom sind immer gut besucht.

Die Dominsel hat nicht nur die Kathedrale zu bieten. Es gibt hier noch viele andere schöne Kirchen. Eine der in Europa selten anzutreffenden Hallenkirchen mit zwei Etagen ist die gotische Kreuzkirche. Sie beherbergt die Grabmäler der Breslauer Bischöfe. Mit dieser Kirche ist eine interessante Sage verbunden. Sie wird aber erst bei der Besichtigung erzählt.

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Vor dem Eingang zur Kreuzkirche befindet sich eine im Sandstein gehauene Barockfigur des Hlg. Johann Nepomucen aus dem Jahre 1731. Er war der Beichtvater der Königin Viola Elisabeth und hatte ihre Geheimnisse nicht mal dem König preisgegeben! Ein guter Mann.

Auf der Dominsel stehen außer den vielen Kirchen auch andere sehenswürdige Gebäude. Dazu zählen guterhaltene, klassische Häuser der Erzdiözese, ein Barockgebäude des ehemaligen Waisenhauses oder das Jesuiten-Kollegium.

Man sollte auch einen Blick hinter die Mauern und Zäune werfen. Dort entdeckt man einige phantastische Beispiele der Gartenbaukunst, die man leider nicht besichtigen darf.

Die Dominsel ist jetzt keine Insel mehr. Im 19. Jahrhundert ließen die Breslauer Bürger den nördlichen Arm der Oder zuschütten. Ihren Namen behielt sie trotzdem weiter.

Am Abend dreht hier ein Laternenanzünder seine Runden und erhellt mit seiner Arbeit alle diese prachtvollen Bauten.

Sind Sie müde geworden vom Laufen? Dann machen Sie eine kleine Tour mit dem Gondelboot. Sie starten gleich neben der Insel. Vom Boot aus kann man auch die benachbarten Insel gut sehen. Aber den besten Blick auf die Dominsel und die Kathedralle haben Sie direkt von der Friedensbrücke aus.

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Genießen Sie diese wunderschöne Aussicht noch eine Weile. Ich hole Sie hier bald wieder ab.

 

8. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Haben Sie sich alle Sehenswürdigkeiten in dem Universitätsgebäude schon angeschaut? Ich weiß, man kann sich dort richtig verlieren. Die über 40 000 Studenten in der Stadt brauchen meistens dafür ca. 4 Jahre! Sie aber dürfen schon früher raus kommen.

WroclawMitten in dem Universitätsgebäude befindet sich ein Torbogen. Gehen wir hindurch, dann stehen wir direkt vor der Universitätsbrücke an der Oder (Odra) . Sie fließt 742 km lang durch Polen und ist nach der Weichsel (Wisła – wissua) der zweitlängste Fluss des Landes aber nicht der einzige in Wrocław. Man sagt, dass die Polen Italiener des Nordens sind und Wrocław das nördliche Venedig. Neben der Oder und ihren zahlreichen Kanälen gibt es noch 4 Nebenflüsse: Oława, Ślęża, Bystrzyca und Widawa. Die Stadt liegt auf 12 Inseln, die durch unzählige Brücken verbunden sind. Es wird behauptet, dass Breslau die drittgrößte Anzahl von Brücken in Europa hat. Auf den ersten Plätzen stehen nur Venedig und St. Petersburg. Wenn ich die Bahnbrücken und Fußgängerstege abziehe, landen wir vielleicht noch hinter Amsterdam und Hamburg. Wie viele Brücken es in Wrocław gibt, weiß keiner so genau. Es wird immer wieder gezählt, fotografiert und auch neu gebaut. Von 112 bis 300 ist die Rede.

Most GrunwaldzkiDie bekannteste Brücke in Wrocław ist Most Grunwaldzki. Sie wurde 1910 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II eröffnet und war die längste Hängebrücke Deutschlands. Sie trug verschiedene Namen: Kaiserbrücke, Freiheitsbrücke. Während der letzten Wochen des Krieges wurde die Stadt zur Festung Breslau erklärt. Die Umgebung der Brücke sollte als Landebahn dienen. Man sprengte alle störenden Gebäuden in die Luft, nur um Platz für die Flugzeuge zu haben. Auch Teile der Brücke wurden entfernt und spätere Luftangriffe haben ihr stark zugesetzt. Im Jahre 1947 wurde sie wieder aufgebaut und umbenannt in Most Grunwaldzki. Sie soll an den Sieg der polnischen Truppen bei Grünfelde (Grunwald) erinnern. 1976 wurde sie als Einzelbaudenkmal eingetragen und ist bis heute die längste Hängebrücke in Polen, die noch vollständig befahren wird. Die Breslauer feierten ihren hundertsten Geburtstag mit einem großen Feuerwerk.

Most ZwierzynieckiIn der Nähe des Zoologischen Gartens befindet sich eine alte und wunderschöne Tierbrücke – Most Zwierzyniecki. Die erste Holzbrücke wurde an dieser Stelle schon 1655 errichtet. In den Jahren 1895–1897 erbaut verbindet sie die Große Insel – also die Stadtteile Dąbie, Biskupin, Sępolno und Bartoszowice – mit dem Stadtzentrum. Sie hatte im Krieg viel Glück gehabt und wurde nicht zerstört. Eine Renovierung heutzutage wäre dringend nötig. Dieses Vorhaben ist aber nicht so einfach. Es ist die einzige Brücke zwischen der Großen Insel und dem Rest der Stadt. Da diese Stadtteile sehr grün und ruhig gelegen sind, weigern sich deren Bewohner einen Bau von zusätzlichen Straßen und Brücken zu erlauben. Neben der Brücke, am Oderufer befindet sich ein kleiner Anlegeplatz für Ausflugsschiffe.

Most Pokoju

Es gibt in Breslau nicht nur alte Brücken, sondern auch solche, die nach dem Krieg gebaut wurden. Eine davon ist die Friedensbrücke (Most Pokoju). Sie ist lang, einfach und zweckmäßg.

Most Pokoju 1960

 

Ich erinnere mich noch, als man 1960 ihre Eröffnung mit einem riesengroßen Fest und Feuerwerk feierte.

Most Tumski

Eine sehr beliebte Postkartenansicht ist die Tumskibrücke (Most Tumski). Über sie gelangen wir auf die Dominsel (Ostrów Tumski). Die schönen, alten Gaslaternen auf der Brücke werden heute noch wie damals, mit der Hand angezündet. Schauen Sie sich ruhig um. Die Aussichten hier sind wirklich herrlich. Wenn Sie satt vom Staunen sind, werden wir weiter gehen. Also bis bald 🙂

7.Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Heute möchte ich Ihnen die Universität von Breslau zeigen. Um dorthin zu gelangen verlassen wir den Plac Solny und Rynek und gehen durch eine schmale Straße Richtung Oder. Unterwegs sehen Sie ein Barockgebäude.

OssolineumDas ist Ossolineum, eine der größten Bibliotheken Polens. Hier werden wertvolle Bücher und Manuskripte seit den Anfängen der Druckerkunst ab dem XV Jahrhundert aufbewahrt. Der Staatsbetrieb des Ossoliński´s wurde im Jahre 1817 durch den Graf Józef Maksymilian Ossoliński begründet. Diese Institution sollte den Polen helfen, nach den vielen Staatsannexionen eigene nationale Wurzeln zu finden. Im Hof sehen Sie einen kleinen Barockgarten. Viele Studenten nutzen hier die Vorlesungspausen zur Erholung. Es ist aber auch ein beliebter Platz für Hochzeitsfotos.

262.Kirche innen

Ein paar Schritte weiter sehen wir die Kirche des Heiligen Namen Jesu. Sie wurde 1689-1698 erbaut und ist innen viel interessanter als außen. Ihre Wände schmücken Gemälde und Fresken von Johann Michael Rottmayr. Hier beten die Studenten, um bessere Noten bei den Prüfungen zu bekommen.

263.Universität

Wenn wir die Kirche verlassen sehen wir den Universitätsplatz (Plac Uniwersytecki) vor uns. In der Mitte steht der Fechterbrunnen (Szermierz-schärmiäsch). Er wurde von Hugo Lederer, einem Professor der Berliner Kunstakademie im Jahre 1904 geschaffen.

Auf der Marmorschale befinden sich vier Masken, aus deren Mündern Wasser fließt. Man glaubt, bei den Masken handele es sich um Porträts Breslauer Professoren. Es ist eine Anspielung auf die polnische Redewendung- „Lać wodę” – das Wasser schütten – einen langweiligen Unsinn reden, wie eben manche Professoren das tun 😉

Eine Legende besagt auch, dass Hugo Lederer in Breslau studierte. Eines Tages, sturzbetrunken, hatte er seine gesamten Kleider beim Kartenspiel verloren. Ihm blieb nur seine Waffe übrig. Der nackte Fechter auf dem Brunnen soll für die Studenten eine Warnung vor übermäßigem Alkoholgenuss sein. Ob das was nützt ist nicht bekannt.

Kleine, vergoldete Fechterfiguren werden als Zeichen der Anerkennung von der Universität Breslau an verdiente Förderer der Universität verliehen.

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Der Universität von Breslau ist ein gewaltiges Barockgebäude und wurde in den Jahren 1728-41 als Stiftung des Kaisers Leopold I errichtet. Sein Porträt hängt in den Innenräumen.

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Den Haupteingang schmückt ein Barockportal aus dem Jahre 1736. Auf der Balustrade befinden sich Skulpturen, welche Gerechtigkeit, Tapferkeit, Besonnenheit und Mäßigkeit darstellen. Alles Eigenschaften, die man zum Studieren benötigt.

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Im ersten Stock sehen Sie die wunderschöne Aula Leopoldina. Sie ist der herrlichste Barockraum in Wrocław und einer der prunkvollsten Barock-Innenräume Europas. Die originellen Illusionsgemälde des Plafonds schuf der böhmische Künstler Christoph Handtke. Der Bau wurde am 06.01.1732 beendet. Die Kampfhandlungen des letzten Krieges zerstörten teilweise den Westflügel, die Musikaula und den Turm. 1947 – 49 wieder aufgebaut, war die Universität die erste Hochschule im      befreiten Wrocław.  Heute werden hier feierlich neue Semester eröffnet. Die Aula dient auch als wunderschöne Kulisse für viele Veranstaltungen, Konzerte und Festivals. Das bekannteste ist Wratislavia Cantans – seit über 50 Jahren das wichtigste, internationale Festival der Klassischen Musik.

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DSC00134Auch die andere Seite des Gebäudes kann sich sehen lassen. Über dem Gebäude erhebt sich der Mathematikturm mit Skulpturen. Sie stellen die 4 Fakultäten der damaligen Universität dar: Kanonisches Recht, Theologie, Astronomie und Medizin.Um sich das alles genau anzuschauen brauchen Sie bestimmt viel Zeit. Ich lasse Sie jetzt in Ruhe schauen und komme bald wieder.

6. Teil

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Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Der Breslauer Marktplatz, mit vielen umliegenden Straßen, ist sehr groß. Irgendwann wird man müde vom Laufen. Aber ich möchte Ihnen noch viele schöne Ecken zeigen, darum steigen wir auf den Segway, einen Elektroroller ein, und fahren den Marktplatz quer durch bis zum Salzplatz.

Der Salzpla050.Brunnentz oder auf Polnisch Plac Solny (plaz solni) ist viel kleiner und ruhiger als Rynek. Er wurde 1242 als Hilfsmarktplatz gegründet. Hier hat man vor allem mit Salz aber auch mit Fischen, Wachs und Honig gehandelt. Es gibt auf dem Platz noch viele Symbole der alten Breslauer Handelsmacht. Einer davon ist das klassizistische Gebäude der damaligen Börse aus dem Jahr 1824. Das Haus schmückt ein Wappen des Prinzen Wratysław (Vratislav) – dem Begründer Wrocławs. Auch der Drachenbrunnen davor ist sehr schön.

130Auf der westlichen Seite steht ein im Jugendstill erbautes ehemaliges Kaufhaus aus den Anfängern des XX Jahrhunderts. Fast die Hälfte des Platzes beanspruchen Blumenmarktständer. Sie sind bis spät in die Nacht geöffnet. Ein breslauer Mann hat keine Ausrede: „Liebling, ich hätte dir gerne Blumen gebracht, aber alle Läden waren zu“ 😉 Auf dem Salzplatz kann man Blumen auch mitten in der Nacht kaufen!

 

126Unter dem Platz befindet sich ein alter Bunker. Er war während des Krieges mit allen Medien ausgestattet und konnte 800 Menschen Schutz bieten. Heute kann man ihn am Wochenende besichtigen. Der Eingang befindet sich neben der öffentlichen Toilette. Nachdem wir uns alle schönen klassizistischen, Renaissance- und Barockhäuser auf dem Salzplatz angeschaut haben, gehen wir in ein irisches Pub. Das in dunkelgrün gehaltene Lokal ist auch innen sehr interessant und bietet ein eiskaltes Guinnes vom Fass.

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Nicht nur der Markt- und Salzplatz sind sehenswert. Auch die kleinen Gassen um den Marktring haben viel zu bieten. Dort stehen wunderschöne, interessante und bunte Gebäude.

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Es gibt hier viele alte Kirchen, Speiselokale, Klubs, Kunstgalerien, Antiquitätenläden und alles was das Herz begehrt.

Interessant ist auch eine Skulptur von Schlachttieren. Sie steht in einer kleinen Gasse, wo DSC00563im XIII Jahrhundert der städtische Schlachthof war.

Ich glaube, es ist genug für heute. Bevor wir die kleinen Gassen weiter in Richtung Universität gehen, machen wir hier eine kleine Pause. Also bis bald 🙂

5. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Uff! War es sehr anstrengend so hoch zu kommen? Es hat sich aber gelohnt! Der Ausblick ist wirklich schön. Wir haben den ganzen Marktplatz und die Stadt vor uns.

Der Rynek (Marktplatz) in Wrocław ist einer der größten (ca. 3,7 ha) und schönsten in Europa. Er wird oft mit dem Marktplatz in Warschau und Krakau verglichen. Aber hier ist der Mittelteil deutlich größer. Vom Kirchenturm aus sehen wir ihn direkt vor uns.

1.SukienniceFrüher standen hier verschiedene Verkaufsstände der Händler. Heute entdecken wir bunte Häuser, die durch drei kleine Gassen getrennt sind. Man kann dort schattig auf Entdeckungsreise gehen. Es gibt kleine Schmuckläden, anspruchsvolle Restaurants und verrückte Bars.

2.Rathaus

Hinter den Tuchhallen sehen wir die westliche Rathausfassade. Der Turm ist bis zur Hälfte viereckig und gotisch, dann achteckig mit einem Renaissancehelm. Vor dem Rathaus steht die Statue von Aleksander Fredro -einem der grossen polnischen Komödienautoren. Sie wurde von den Bewohner Lembergs nach Wrocław gebracht.

Weiter rechts steht das Kaufhaus Feniks. Es ist im Jugendstil erbaut und5.Feniks berühmt für den fehlenden Glasglobus auf dem Dach, der bereits 1930 durch einen Blitz zerstört wurde. Bis heute wird diskutiert, ob man ihn ersetzen soll oder nicht? Vom Kaufhaus selbst habe ich nur ein altes Winterbild. Meistens fotografiere ich die Dächer von Rynek von dem letzten Stock aus.

6. Miasto von FeniksAuf dem Marktplatz stehen Häuser aus allen architektonischen Stilrichtungen seit der Renaissance.

3.Haus4.Rynek

Zu den schönsten gehören das Haus „ Der Goldenen Sonne“ und „ Der Sieben Kurfürsten“ mit einer Bemalung aus dem Jahre 1672. Eine architektonische Perle ist das Haus der „Goldene Hund“. Hier eine kleine Auswahl an Häusern.

Um sie alle zu sehen, sollten Sie schon selbst einen Spaziergang über 7.Jas i Malgosiaden Marktplatz machen. Also gehen wir wieder die vielen Treppen des Kirchturms hinunter …. Vor der Kirche stehen zwei berühmten Häuser: Jaś i Małgosia – Hänsel und Gretel. Das eine Haus wurde im gotischen Stil erbaut, das andere im barocken Stil.

Der Breslauer Marktplatz ist nicht nur eine Ansammlung alter Häuser. Es gibt dort viele Geschäfte, Restaurants, Bars, Cafés und Shops.

0. RynekIm Sommer sitzt man draußen und betrachtet das Leben, schaut den Straßengauklern zu oder hört die Straßenmusikanten spielen. Im Winter kann man dort Eislaufen oder über den Weihnachtsmarkt schlendern. Hier finden viele Veranstaltungen und Konzerte statt. Berühmt ist die Silvesterfeier auf dem Rynek. Sie wird vom Polnischen Fernsehen übertragen. Die Atmosphäre ist international und all das ist unvergleichlich. Der Marktplatz in Wrocław ist einfach ein MUSS.

 

4. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Hallo, da bin ich wieder 🙂

Haben Sie gut geschlafen? Na ja, im „Monopol“ ist das kein Wunder. Das Frühstück war, glaube ich, auch gut? Die polnische Wurst ist weltbekannt! Wir haben auch viele leckere Käsesorten. Man muss nicht gleich nach Holland fahren, um guten Käse zu essen.

KircheWir gehen aus dem Hotel raus und haben gleich vor uns eine schöne Sicht …

Die Fronleichnamskirche – eine gotische Basilika – gehört zu den drei größten Kirchen aus dem XV Jahrhundert in Wrocław. Nach den Regeln der Johanniter Orden besaß sie nie einen Kirchturm. Sie ist auch innen sehr interessant, schauen Sie mal rein …

DeptakEinige hundert Meter weiter wird die Świdnicka Straße zur Fußgängerzone, auf polnisch – Dreptak (dräptak). In den Häusern auf den beiden Straßenseiten finden Sie viele kleinen Geschäfte und Firmen. Man kann dort auch länger verweilen.

Aber ich will Sie nicht auf die Folter spannen. Wir wollen doch zum Herzen von Wrocław, hin zum Rynek – dem Marktplatz. Noch ein paar Schritte die Straße entlang und Sie haben die berühmteste Aussicht von Wrocław vor ihren Augen ….

1.Rathaus

2Ich habe das Rathaus bestimmt schon hunderte Male fotografiert und kann mich bis heute nicht entscheiden, welches Foto das Schönste ist? Der Bau wurde bereits im 13. Jahrhundert begonnen und bis über das 16. Jahrhundert hinaus fortgeführt. Am Ende ist es ein faszinierender Mix aus vielen Architekturepochen entstanden. Die Hauptstile sind aber Gotik und Renaissance. Auf dem Rathaus befindet sich eine eigene astronomische Uhr – die viel schöner als die in Prag ist!

Direkt neben dem Rathaus ist der Pranger (pręgierz). Heute ist er ein beliebter Treffpunkt für die Breslauer. In den früheren Zeiten war er ein Ort der Bestrafung. Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein hatte es hier940 Auspeitschungen und öffentliche Demütigungen gegeben. Einer der Opfer war sogar der große nürnbergische Künstler Veit Stoss, in Polen als Wit Stwosz bekannt. Er hatte den berühmten Altar in der St- Maria-Kirche in Krakau (Kraków) hergestellt.

Der Grundstein von Rynek stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er wurde immer wieder zerstört und wieder auf- und umgebaut. Daher findet man hier alle Epochen von Gotik bis Jugendstil, aber alles nicht älter als 60 Jahre! Nach dem 2. Weltkrieg lag der Rynek, wie fast die ganze Stadt, in Schutt und Asche. Die Häuser wurden detailgetreu und akribisch wieder aufgebaut.

Hier entstand die berühmteste Taube der Welt! Pablo Picasso stand 1948 auf dem Marktplatz mitten in den Trümmern. Entsetzt schaute er sich um und fing spontan an zu malen. Seine Taube wurde zum Symbol des Pazifismus auf der ganzen Welt!

Jetzt ist der Marktplatz der Mittelpunkt der Stadt. Hier vibriert das St.ElisabethLeben. Die Menschen treffen sich, gehen Essen, einkaufen, entspannen. Den schönsten Überblick über den Marktplatz gewinnen Sie vom Kirchturm der St. Elisabeth Kirche. Der Aufstieg ist nichts für Fußkranke. Die über 300 Stufen haben es in sich, aber die Mühe wird belohnt. Wir gehen jetzt hoch und dort oben werde ich Ihnen den ganzen Marktplatz erläutern.

Also, bis bald.

 

3.Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Hallo,

haben Sie sich ein bisschen ausgeruht? Können wir weiter gehen? Wenn ja, dann los!

An der Skulptur „Passage 1977 – 2005” biegen wir nach rechts in die Świdnicka Straße ein. Sie ist die Hauptstraße von Wrocław und gleichzeitig die älteste Straße hier. Sie wurde schon im Mittelalter angelegt und trug sogar den gleichen Namen, weil sie einen Weg nach Świdnica (auf Deutsch Schweidnitz) markierte.

Ehemals war sie die schönste und bedeutendste Straße in der Stadt. Heute ist sie einen Kilometer lang und verbindet die Piłsudski Straße mit dem Marktplatz. An ihren Seiten befinden sich viele Geschäfte, Einkaufshäuser und Firmen.

ArkadyZuerst schlendern wir unter den Arkaden entlang und schauen uns die Auslagen in den zahlreichen Schaufenstern an: Porzellan, Bücher, Kleidung, Schuhe … alles was das Herz begehrt! Wenn wir an der anderen Seite aus dem Schatten rauskommen, erblicken wir einen Konsum -Tempel!

Renoma

Ich finde das Kaufhaus RENOMA sieht bei Dunkelheit besser aus als bei Tageslicht und es hat eine lange Geschichte. Die Pläne entwarf ein deutscher Architekt, Hermann Dernburg, im Auftrag des Wertheim-Konzerns. Gebaut wurde es zwischen 1928 und 1930 unter dem Namen Kaufhaus Wertheim. Damals war es das größte Warenhaus der Stadt und besaß die ersten funktionierenden Rolltreppen in Schlesien. In Vorkriegszeiten hat sich hier der Spruch für dieses Kaufhaus „Alle Werden Glücklich“ nicht erfüllt. Weil Wertheim ein jüdisches Unternehmen war, wurde es zerschlagen und ging in die Hände der Allgemeinen Warenhaus Gesellschaft (AWG) über.

Nach dem Krieg blieb von dem Gebäude nur die Stahlkonstruktion übrig. Es gab Überlegungen sie abzureißen, aber die Breslauer wollten sich ihr „Einkaufsparadies“ nicht weg nehmen lassen. Schon 1948 wurde es zu der Ausstellung der „Wiedergewonnenen Gebiete“, unter den Namen „Allgemeines Kaufhaus“ (auf Polnisch Powszechny Dom Towarowy – PeDeT) eröffnet und im Jahre 1977 sogar als Werk der europäischen Moderne der 30er Jahre in einem modernen Design unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude wurde viele Male renoviert, modernisiert und umgebaut. Nach einem Wettbewerb zur Umbenennung des Kaufhauses erhielt es den heutigen Namen „RENOMA“.

Heute kann man hier an der Fassade über hundert Portraitskulpturen der Menschen aus der ganzen Welt bewundern, wie auch in der Sonne glitzernde und teilweise mit echtem Gold verzierte Fliesen.

Im Jahr 2010 wurde das Renoma Gebäude zum Finalisten von World Architecture Festival in Barcelona und als „Gebäude des Jahres“ in der Kategorie „Neue und alte“ nominiert.

Eine Frau kann sich hier schon einen ganzen Tag „verlieren“ und es wird ihr bestimmt nicht eine Minute langweilig!

Wir gehen aber weiter die Straße entlang, vorbei an vielen schönen Häusern und alten Kirchen, bis wir ein imposantes Gebäude erblicken – Opera Wrocławska – die Breslauer Oper.

operaSie ist zwischen 1839 und 1841 im klassizistischen Stil erbaut worden. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es hier das beste Ensemble in ganz Deutschland. Die Dirigentin und aktuelle Intendantin Ewa Michnik – eine echte Powerfrau – hat die Oper auch über die Landesgrenze Polens bekannt gemacht. Bekannt wurde es nicht nur, weil das Gebäude so prächtig renoviert aussieht, sondern vor allem aufgrund der Qualität der Aufführungen.

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Eine wunderschöne Kritik gab es in „Kulturigo“ vom 02.10.2015. Es lohnt sich, sie zu lesen.

Wer sich für Oper, Operette oder Ballet nicht so sehr interessiert, kann während der Vorstellungen die Marmortreppe, Mahagoni-Holzböden und goldverzierten Wände bewundern, oder er macht es sich zwischen Kristallspiegeln und edlen Lüster mit Sekt und Häppchen bequem.

008So eine Opernaufführung dauert lange und macht müde. Ich glaube, wir machen hier eine Pause und gehen schlafen. Aber wohin?

Ich schlage das Hotel „Monopol“ vor! Es liegt gleich neben an.

Monopol 2Erbaut 1911 war es eines der besten Hotels in der Stadt und hieß „Vier Jahreszeiten“. Hinter der Barock- und Jugendstilfassade gab es 120 Zimmer, viele Restaurants, Cafés, Clubs und einen Ballsaal.

Ich glaube auch heute finden wir ein passendes Zimmer für die Nacht und morgen vor dem Frühstück können Sie die Stadt von der Dachterrasse aus bewundern.

Also Gute Nacht und bis bald.

2. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław
Hallo,

da bin ich wieder. Das Wetter ist in Wrocław weiter schön und wir können unseren Spaziergang fortsetzen. Sind Sie schon gespannt, was Sie draußen erwartet?

033Das, was Sie oben sehen, ist keine Ritterburg oder Filmkulisse sondern der Breslauer Hauptbahnhof von vorne. Er wurde  für die Fußballweltmeisterschaften in Jahre 2012070.Dworzec wunderschön restauriert.

Seine Schönheit war früher unter der grauen Fassade versteckt. Heute erstrahlt sie wieder. Jetzt kann man hier keine Kriegsfilme mehr drehen aber vielleicht Märchenfilme von 1001 Nacht?

Wir verlassen das Bahnhofsgelände und gehen auf die Straße von Marschal Józef Piłsudski (ulica Marszałka Józefa Piłsudskiego). Sie ist einer der Hauptstraßen von Breslau, 1,7 Kilometer lang und verbindet zwei Breslauer Bahnhöfe miteinander: Wrocław Główny und Wrocław Świebodzki und verläuft in ca. 900 Meter parallel zum Marktplatz.

Diese Straße hat eine lange Geschichte und viele Namen. Schon im XIV Jahrhundert verlief hier, außerhalb der Stadtmauer, ein Weg, der sogenannte Schweidnitzer Anger (Świdnickie Błonia).

Ende des XVIII Jahrhunderts wurde er unter der Gerichtsbarkeit der Stadt eingebunden. Noch bevor die erste Linie der Bahn im Jahre 1842 entstand, gab es die Straße unter den Namen Angerstraße und Gartenstraße. Im Verlauf des XIX Jahrhunderts wuchsen hier, wie Pilze nach dem Regen, viele prachvolle Bauten. Einige Hotels stehen heute noch. Das Hotel Kronprinz heißt heute „Piast“, Hotel Du Nord ist heute „Grand“, Hotel Hohenzollernhof heißt „Europejski“, und Hotel Vier Jahreszeiten trägt den Namen „Polonia“. Im Jahre 1892 hat man hier NOTein Grungstück gekauft, um ein Landeshaus der Provinz Schlesien zu bauen. Der Architekt nahm als Vorbilder Bauten in Dresden, Nürnberg, Augsburg, Stuttgart, Strasburg und Prag. Das Gebäude wurde so prächtig, dass es im Jahre1897 als Haus der russischen Zarenfamilie, während der Schlesiensreise, diente.   Während des II Weltkriges wurden viele Gebäude zerstört, dieses aber nicht. Nach dem Krieg fand hier der Föderationsrat der wissenschaftlichen und technischen Verbände, polnische Abkürzung – NOT, seinen Sitz.

In den prachvollen Gemäuern befinden sich auch: ein Kino, ein Restaurant und ein Notar. Viele der schönen Räume kann man für Veranstaltungen mieten. Es gibt 11 modern ausgestattete Konferenzsäle. Berühmt sind die Silvesterbälle, die hier statt finden.

Bis Silvester haben wir noch ein bisschen Zeit, also schauen wir uns noch in Breslau um.

Die Marschal Józef Piłsudski Straße heißt erst seit 1992 so. Früher war sie nach General Świerczewski benannt und war Schauplatz der jährlichen 1.Mai-Paraden. Während des Hochwassers im Juli 1997 stand sie auf der ganzen Länge bis zu einem Meter unter Wasser.

ArbeiterWir haben trockene Füße und können weiter gehen. Nach kurzer Zeit kommen wir zu der Kreuzung mit der Świdnicka Straße. Hier sehen Sie eine Skulpturale Installation „Passage 1977 – 2005”.

Zur Erinnerung an das Kriegsrecht in Polen hat hier der Bildhauer Jerzy Kalina graue Menschen dargestellt. Sie gehen, auf der einer Straßenseite unter die Erde um auf der anderen Seite als freie Menschen wieder zurückzukommen.

Hier mache ich eine kleine Pause und komme, wie diese grauen Menschen, bald wieder.

1. Teil

Spacerkiem po Wrocławiu – ein kleiner Spaziergang durch Wrocław

Der Herbst in seinem weniger schönen Gewand ist da! Dicke Wolken verdecken die wärmende Sonne. Der Regen platscht an die Fensterscheiben. Der Wind vertreibt die letzten Blätter von den Bäumen. Wir fangen an zu träumen: vom warmen Kaminfeuer, heißen Tee …

Aber STOP! Man kann auch im Herbst schöne Reisen machen und viel erleben. Vielleicht eine Städtetour?

Ich komme gerade aus Wrocław zurück – aus meiner Heimatstadt. Ich kann Ihnen versichern, es ist dort jetzt viel schöner als hier: 28°C und Sonnenschein!

Also lade ich Sie ein zu einem kleinen Spaziergang durch meine Stadt. Wir werden jede folgende Woche eine interessante Sehenswürdigkeit der Stadt kennen lernen.

Wrocław (wrozuaf), oder auf deutsch, Breslau, ist eine quirlige Stadt, die niemals schläft. Wir werden auch nicht viel Zeit zum Schlafen haben.

Aber zuerst müssen wir dorthin …

Nach Wrocław kommt man mit dem Flugzeug, Auto, Bus oder mit dem Zug. Die Autobahnen sind gut ausgebaut und von der deutschen Grenze aus, sind das gerade noch 150 km. Aber man muss selber fahren. Dann vielleicht doch lieber mit dem Zug? Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Wrocław.

Nach einer angenehmen Zugreise kommen Sie endlich dort an. Das erste, was Sie sehen ist der Hauptbahnhof.

045.EndeEs ist aber kein normaler Bahnhof, wie Sie ihn schon hunderte Male gesehen haben. Nein … Der Hauptbahnhof in Wrocław ist eine Besonderheit und mitten in der Stadt gelegen. Von dort aus sind es nur 15 Minuten zu Fuß bis zum Marktplatz. Aber dort kommen wir ein anderes Mal hin.

Jetzt, wenn Sie Glück haben, kommen Sie an einem 042.Perongeschichtsträchtigen Bahnsteig an. Am Bahnsteig III am 8. Januar 1967 ist der bekannte polnische Schauspieler Zbigniew Cybulski verunglückt. Er kam gerade von Drehaufnahmen in den Breslauer Filmstudios zurück. Der Film trug den Titel: „Der Mörder hinterlässt eine Spur“ Cybulski hat tiefe Spuren bei den Polen hinterlassen. Am 30. Jahrestag seines Todes weihte der bekannte Regisseur Andrzej Wajda hier eine Erinnerungstafel für ihn ein.

044.TafelBei Wikipedia kann man nachlesen: “Zbigniew Cybulski war ein polnischer Schauspieler. Geboren: 3. November 1927, Rajon Snjatyn, Ukraine Gestorben: 8. Januar 1967, Breslau”.

Der Hauptbahnhof von Wrocław hat eine interessante Geschichte und wurde viele Male umgebaut. Das erste Projekt aus dem Jahr 1856 stammt vom königlichen Architekten Wilhelm Grapow. In den Jahren 1899 – 1904 verschönerte man ihn im Historismus und Jugendstill nach Bernard Klüsche. Die Kriegsjahre und der Sozialismus taten ihm nicht gerade gut? Die letzte Modernisierung fand mit Hilfe der EU-Gelder kurz vor der Fußballmeisterschaft im Jahre 2012 statt. Jetzt sieht man ihm seine  fast 160 Jahre nicht mehr an 😉

Die Hallen sehen sehr schön aus. Jetzt könnte man hier keine Kriegsfilme mehr drehen, was man 1967 noch tat. Hier wurde die bekannte polnische Serie: „Stawka większa niż życie” (Einsatz größer als das Leben) gedreht. Der „Wrocław Główny” hieß dann „Berlin Ostbahnhof”.

056.Ausgang

Ja, das ist ein sehr bekannter Bahnhof. In den Jahren 1916-1918 fuhr hier der Balkan-Zug. 2007 und 2011 hielt hier der berühmte Orient-Express.

Und wenn Sie das Gebäude verlassen, erleben Sie eine Überraschung! Aber das erzähle ich Ihnen das nächste Mal.

Also bis bald 🙂

 

 

Eine kleine Sprach-Exkursion

August, das ist für viele Menschen die Haupt-Urlaubszeit.

Waren Sie schon im Urlaub, sind Sie es gerade oder haben sie ihn noch vor sich?

Vielleicht sind sie in Polen und bemühen sich, diese Menschen sprachlich und charakterlich zu verstehen.

Viele Polen sprechen Deutsch, einige sogar sehr gut, aber für viele Polen sind die deutschen Artikel ein unüberwindbares Hindernis um diese Sprache richtig einzusetzen.

Es gibt im Polnischen sogar ein Spruch dazu:

„Gdyby nie to „der, die, das“, dobre Niemcy byliby z nas“ , was so viel bedeutet, wie: „Wenn nicht diese „der, die, das“, gute Deutsche wären aus uns geworden“.

Da die Polen ein sehr zerstreutes Volk sind und nicht viel Bedacht auf Details legen, wie sollen sie sich die Regeln für die Artikeln merken?

Warum ist ein Wort männlich, weiblich oder sächlich? Das muss man auswendig lernen und noch dazu für immer behalten! Es ist schier unmöglich für ein Volk, das sich in ihrer Sprache so etwas nicht merken muss. Hier sind die Regeln klar und einfach:

Die polnische Sprache kennt keine Artikel. Eine Wortendung zeigt, welches Geschlecht ein Wort ist. Also alles, was auf „a“ oder „i“ endet ist weiblich: kobieta (kobijäta) – Frau als Wesen, pani – Frau in Ansprachen (pani Maria). Die restlichen Vokale sind für das sächliche Geschlecht reserviert, wie bei:  auto, ferie. Die Konsonanten sind für die männlichen Hauptwörter verantwortlich: pan – der Herr in Ansprache (pan Adam), dom – das Haus. Wie Sie sehen, müssen die Polen nichts lernen. Sie bekommen das Geschlecht eines Wortes mit diesem zusammen präsentiert.

Noch dazu klaffen die Grammatik und die Wirklichkeit weit auseinander!

Die Frau“ – das ist verständlich, aber warum das Mädchen“? Ein Mädchen ist doch von Geburt an ein weibliches Wesen?!

Die Frau steht am Tor. Gib der Frau einen Kuss.“ Bei diesem Satz wird für die Polen die Verwirrung komplett. Also was jetzt – „die“ oder „der“?

Auch wenn viele Polen die deutsche Grammatik begreifen können, werden sie in der Praxis intuitiv bei einem Mädchen lieber „sie“ als „es“ sagen – seien Sie deshalb nachsichtig 😉

Und wenn Sie Probleme mit der polnischen Grammatik haben, bin ich Ihnen beim erklären gerne behilflich.

Ich wünsche eine schöne Urlaubszeit und vielleicht sehen wir uns in meinen Kursen. Ich freue mich auf sie.

Sommer, Sonne, laue Nächte … Grillen am Abend. Aber was isst man mittags, wenn die Temperaturen fast die 40°C Marke erreichen? Wenn der Magen keine Lust auf Braten mit Rotkraut hat?

chłodnik 1Die Polen haben da ihre Ideen und die heißen „Kalte Suppen“. Eine davon ist chłodnik (huodnik). Der Name leitet sich vom Wort chłodno (kühl) ab. Und wie macht man sie?

BotwinkaZuerst braucht man „botwinka“ – eine Basissuppe. Diese machen die vorsorglichen Hausfrauen schon im Vorjahr in Weckgläser ein. Dazu werden ganz junge Rote Beete-Pflänzchen zusammen mit Blättern und Stängel eingekocht.

Dann, an so einem heißen Tag, macht man ein Glas auf, schnipselt einige hart gekochte Eier, eine Salatgurke, Schnittlauch und Dill dazu. Das Ganze wird mit Crème Fraîche und Joghurt verfeinert. Dazu passen Salz-Dill-Kartoffeln mit einem Klecks Butter ausgezeichnet.

Ich wünsche einen Guten Appetit.

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Frühling in Polen

Es ist schon März. Überall riecht es nach Frühling! Auch in Polen.
Der Frühling – wiosna (wjoßna) – ist auf Polnisch weiblich; Eine junge Frau mit Blumen im Haar, bunt und fröhlich ist sie.
Aber bevor der Frühling begrüßt werden kann, muss man den Winter vertreiben. Das feiert man in Polen am 21 März auf eine ganz besondere Art.
In der vorchristlicher Zeit glaubten die Slawen, dass Winter Tod und Krankheit symbolisiert. Sie stellten ihn als eine Göttin dar. Winter– zima (sima) – ist auf Polnisch auch weiblich. Diese Göttin hieß Marzanna (maschan-na) und war für alle Unannehmlichkeiten des Winters wie Kälte, Eis, Schnee und Stürme verantwortlich. Nur durch ein Opfer konnte man den Winter vertreiben und Platz für Neuanfang schaffen.

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Also bastelten die Slawen eine Strohpuppe und nannten sie Marzanna.  Sie zogen ihr Frauenkleider an, schmückten sie mit bunten Bändern und trugen sie mit viel Lärm und Musik durch den ganzen Ort.
Sie wurde in jede noch so kleine Pfütze getaucht, bis sie auf einem freien Feld angezündet und brennend in einem Fluss ertränkt wurde.
Früher war das eine ernste Angelegenheit. Der Brauch unterlag vielen festen Regeln. Nicht Einhaltung konnte schlimme Folgen für die Menschen haben, wie Krankheit oder sogar Tod.
Die Polen sind bis heute sehr abergläubisch.
Die Kirche hatte von Anfang an versucht, diesen heidnischen Brauch zu bekämpfen und zu verbieten. Das war aber mit den Polen nicht zu machen. Die hatten schon immer ihren eigenen Kopf 😉
Aber heute feiert man Marzanna nur aus Spaß an der Freude. Obwohl der Brauch seit den 60er Jahren eine Konkurrenz bekommen hat. Auch am 21 März findet der „Tag des Schulschwänzens“ statt. Dieser neue Brauch wird von den Lehrern nicht nur toleriert, sondern zum Teil auch mit organisiert. Na ja, im Frühling werden sogar die Lehrer gnädiger.